Star Trek Beyond (2016)

Es sei ihm immer zu philosophisch gewesen, gab Regisseur J.J. Abrams einst zu, als er in einem Interview auf Star Trek angesprochen wurde. Er habe sich nie dafür begeistern können und mit seinen beiden Reboot-Filmen nicht nur einen Film für Fans, sondern vor allem für normale Kinozuschauer machen wollen. Finanziell waren seine Sci-Fi-Blockbuster große Erfolge, beim Publikum jedoch entfachten sie großen Zwiespalt: Nicht-Trekkies glaubten durch Abrams plötzlich die bis dahin unverständliche Liebe zu Star Trek nachvollziehen zu können, während Fans in den actionlastigen Spektakelfilmen nur eine Verdummung und scheinheilige Projektion all jener Zutaten erkannten, die Trek zu Trek zu machen. Der 2013 erschienen Into Darkness gilt gemeinsam mit dem fünften Kinofilm unter Fans mittlerweile als schlechtester Teil der ganzen Reihe – Zeit für Justin Lin, ausgerechnet Regisseur von zwei Fast & Furious-Filmen, den Geiste Gene Roddenberrys wieder auferstehen zu lassen?

Zugegeben, in Star Trek Beyond reißt die USS Enterprise nicht in posttraumatischen 3D-Bildern Hochhäuser um, sondern erfreut mit einem fluffigen, aber auch gesetzteren Ton. Wenn dies die ersten Anzeichen dafür sind, dass sich das Blockbusterkino langsam von Christopher Nolan erholt, dann sollte man dabei nur alles Gute wünschen. Simon Pegg und Doug Young wagen mit ihrem Drehbuch den Balanceakt, Teilelemente des modernen, rebooteten Treks in eine sehr klassische Form einzufassen. Erzählerisch wirkt der Film wie eine auf Kinobudget produzierte TV-Episode, was bei Fans wohl großen Anklang finden wird. Dass die erzählte Geschichte dem Konzept entsprechend sehr klassisch (um nicht zu sagen: generisch) ist, wird dem Film dabei aber zum Verhängnis. Das Skript zu Beyond ist frei von den dummen Twists und Turns seines Vorgängers, aber zusammengehalten wird es doch wieder nur von müden Belanglosigkeiten.

Es gibt Verfolgungsjagden, es gibt Lasergefechte, es gibt Prügeleien. Es gibt so viel gehaltloses Spektakel in diesem Film, dass es einem irgendwann sogar egal ist, wie unsauber und unübersichtlich das meiste davon in Szene gesetzt ist. Der Film macht sich frei von der bleiernen Schwere des Vorgängers, aber damit auch von jeglichem emotionalen Einsatz in das Geschehen. Die Darsteller spielen nur Abziehbilder ihrer Charaktere, deren Persönlichkeit und Eigenarten der Film für selbstverständlich hält und sich konsequent weigert, sich ihnen über diese Etiketten hinaus zu nähern, geschweige denn sie irgendwie zu entwickeln. Idris Elba ist in der Schurkenrolle nicht nur schauspielerisch extrem eingeschränkt (jeder könnte unter dieser Maske stecken), seine Motivation ist so einfach wie egal: er möchte Rache an der Sternenflotte nehmen, so wie Khan im Film davor und Nero im Film davor, aber es interessiert uns nie, wie oder warum er das tut.

Vielleicht liegt das daran, dass der Film noch nicht mal an sich selbst wirklich interessiert scheint. Weil er immer nur seinen kleinen Lachern, großen Schauwerten und mäßig inszenierten Action-Beats hinterherrennt – und dabei doch eigentlich auch konsequent missversteht, was Trek ausmacht. Sowohl Kirk als auch Spock beschließen zu Anfang des Films, sich nach dieser letzten Mission versetzen zu lassen. Da das einzige im Film enthaltene Motiv aber familiärer, bzw. kameradschaftlicher Zusammenhalt ist (eine Lektion, die uns beinahe jeder Superheldenfilm der letzten Jahre lehrte), kehren beide nach gemeinschaftlichen Bezwingens des Schurken ihrer Crew natürlich nicht den Rücken zu. Denn ähnlich wie die Kino-Episoden aus dem Marvel Cinematic Universe gibt es im franchise filmmaking mittlerweile nichts Heiligeres mehr als den Status Quo und, sofern innerhalb des Films eingerissen, zum Ende hin dessen sofortige Wiederherstellung.

Das Team auseinander zu würfeln, Gott behüte eine Figur (nicht nur temporär) sterben zu lassen, sorgt für nichts weiter als eine Verkomplizierung der Zukunftspläne. Genau wie sich Tony Stark und Steve Rogers in den letzten Sekunden von Captain America: Civil War wieder vertragen, begibt sich auch die Crew der USS Enterprise am Ende von Star Trek Beyond wieder in die unendlichen Weiten des Weltraums, in Stellung gebracht für ein weiteres Abenteuer. Wahrscheinlich erneut mit reichlich Verfolgungsjagden, Lasergefechten und Prügeleien. Das gegenwärtige Blockbusterkino folgt dieser einfachen Formel, weil es quasi unmöglich ist, etwas wirklich falsch zu machen. Vergessen wird dabei leider, dass es auch ein bisschen Aufwand bedarf, um etwas wirklich richtig zu machen.

Anhang: Die Debatte darum, dass der von Jon Cho gespielte Sulu in dieser alternativen Zeitlinie schwul ist, wird auch nach dem Film noch nicht ausdiskutiert sein. Wenn Sulu von einer Mission zurückkehrt und von seinem Lebensgefährten und der gemeinsamen Tochter empfangen wird, dann geht das vor allem ans Herz, weil der Film diese Szene so universell erzählt – es geht um die Wiedervereinigung mit den Liebsten, nicht darum, dass sich zwei Männer in die Arme fallen (und Kontext und Wirkung der Szene wären gleich, würden sich Mann und Frau in die Arme fallen). Es ist ein schöner Moment, aber der einzige im Film – und zu einem Leinwandkuss hat es mit der Toleranz dann doch nicht ganz gereicht. Zum Glück kann aber auch ein kleiner Schritt einer in die richtige Richtung sein.

Kinostart: 21.07.2016

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