Star Wars: The Rise of Skywalker (2019)

Die Toten sprechen! Über vier Jahrzehnte hinweg sind die Stimmen um Popkulturphänomen Star Wars nicht verstummt. Mit The Rise of Skywalker bittet das zeitlose Weltraummärchen nun zum letzten Vorhangfall. Die insgesamt neun Filme umfassende Skywalker-Saga soll beschlossen werden. Eigentlich müsste tränenreicher Abschiedsschmerz vorherrschen, aber die Zeiten sind schlecht. Die radikale Vision des Vorgängerfilms hat die Fangemeinde zerrüttet, der Diskurs ist zum erbitterten Sternenkrieg jenseits der Kinoleinwände geworden. Die undankbare Aufgabe, zwischen diesen Fronten zu vermitteln, fällt J.J. Abrams und Chris Terrio zu. Ihre versöhnlichen, groß gedachten Ambitionen müssen einer Menge Unmut trotzen – auch aus Reihen ärgster Verfechter des polarisierenden The Last Jedi, gilt es doch rückwirkende Abänderungen an dessen Story- und Figurenentscheidungen zu befürchten.

Die widersprüchliche Beziehung zum Vorgängerfilm dürfte die finale Meinungsschlacht unter Star-Wars-Fans dominieren. The Rise of Skywalker ist ein Film, der sich seinen verschreckten Fans gegenüber zur Wunscherfüllung verpflichtet fühlt. Mehr als alle Star-Wars-Filme vor ihm scheint er sich stets im Gespräch mit sich selbst und seinem Publikum zu befinden. Wenngleich das Autorenteam achtsam ist, den Großteil ihrer überraschenden Wendungen, stichelnden Meta-Kommentare und pompösen Fanservice-Momente innerhalb einer Figuren- und Handlungslogik zu begründen, scheint der Dialog nicht immer nur zwischen den Figuren, sondern auch zwischen Film und Publikum ausgetragen zu werden. Einen derart reumütigen Kniefall vor seinen Zuschauern legte noch nicht einmal George Lucas hin, als er langwierige Senatsdiskussionen und fan favourite Jar Jar Binks aus seinen Fortsetzungen verbannte. Zum großen Abschluss soll Star Wars nun doch wieder ganz den Fans gehören.

Das finale Kapitel der Skywalker-Saga gestaltet sich demnach als sehr viel anschmiegsamerer Film als sein Vorgänger. Von Verrat am eigenen Franchise kann trotzdem nicht die Rede sein. Genau wie Rian Johnson nicht die Vision von The Force Awakens missachtete, sondern schlicht an die für ihn interessantesten Punkte anknüpfte, machen Abrams und Terrio keine Entscheidung des Vorgängerfilms wirklich zunichte. Sie negieren nicht, sondern erweitern. Ihr Film kann zu keiner Sekunde mit der erzählerischen Präzision und erhabenen Schönheit von The Last Jedi mithalten, profitiert aber ungemein von dessen Entscheidungen. Johnsons Fokus auf sauber erzählte Charakterentwicklung zahlt sich aus. Abrams und Terrio setzen sich ins gemachte Nest, müssen in ihrer rasanten, nahezu atemlosen Weltraumhetzjagd kaum noch Platz für Nebenfiguren lassen. Alles darf (muss?) sich dem Spektakel beugen.

Alle Probleme, mit denen The Rise of Skywalker zu kämpfen hat, sind selbstverschuldet. Oder aber eben Ergebnis des noch nie ergiebigen Gestaltungsraums, den das Franchise voraussetzt. Das Gute-Böse-Zerwürfnis, in dessen verunsichernder Mitte sich die jungen Figuren der neuen Trilogie nach Antworten und Zugehörigkeit sehnen, benötigt den erzählerischen Rahmen vorausgehender Star-Wars-Filme. Abrams beglückt mit all seinen Stärken – wendige, von Spielberg abgeguckte Kameraschwenks, humorvolle Teamdynamik, atemloses Tempo – aber gibt sich auch seinen schwächsten Tendenzen hin. Sein Film ist bis zum Bersten vollgestopft mit Artefakten, Schauplatzwechseln und Erklärbärdialogen. Es ist ein Exzess, der inhaltlich nie legitimiert wird. Dass das Drehbuch die neue Trilogie rückwirkend im Rahmen der Skywalker-Saga kontextualisiert, ist vielleicht für manche Zuschauer wichtig, nicht aber für den Film als solchen. The Rise of Skywalker leidet unter der Vielzahl von Fragen, die er beantworten; Figuren, die er unterbringen; und Wünschen, die er erfüllen muss.

Dass ist bedauerlich, denn trotz der ausufernden Größenordnung ist dieses Finale durchaus gewillt, den familiären Generationskonflikten, seit jeher die Essenz des Star-Wars-Mythos, genügend Platz einzuräumen. Der Film triumphiert immer dann, wenn er die Einzelschicksale seiner Figuren für einen kostbaren Moment aus dem allumfassenden Sternenkrieg herauslöst. Für diese Momente von Introspektion und Intimität ist auch in einem so überfrachteten Film wie diesem noch Zeit. Emotional sitzt in der zweiten Hälfte des Films beinahe jeder Handgriff. So sehr das Gerüst von The Rise of Skywalker unter seiner Last aus Figurenschicksalen und Nebenschauplätzen auch ächzt, in der Fortschreibung von Rey (Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) ist der Film ganz bei sich. Die Geschichte zweier verängstigter Kinder, die gegen die Fesseln der eigenen Bestimmung aufbegehren und in ihrer gemeinsamen Zerrissenheit Trost finden, darf würde- und gefühlvoll zu Ende gehen.

Es erscheint nur folgerichtig, dass Abrams diese Trilogie nun auch zu Ende bringen darf. The Force Awakens und The Rise of Skywalker bilden Rahmen für den spannenden, eigenwilligen zweiten Akt einer Geschichte, die in ihrer Gänze durchaus ein holpriges Konstrukt ist. Dass der letzte von neun Filmen nicht wirklich eine substanzielle oder figurengetriebene Konklusion der Skywalker-Saga, sondern vornehmlich ein ausgiebiger Akt der Versöhnung ist, wird für viel Enttäuschung sorgen. In der weit, weit entfernten Galaxis nichts Neues. Sich vom Exzess und der Gefälligkeit dieses großen Finales nicht erschlagen zu lassen, ist durchaus möglich – der emotionale Kern bleibt von der Spektakellust unberührt. Am Ende wartet selige Erschöpfung für alle Fans. Zum Leinwandabschied gibt es bombastischsten, sentimentalsten aller Star-Wars-Filme zu durchleben.

Kinostart: 18.12.2019

Beitragsbild: © Disney

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