Fast & Furious: Hobbs & Shaw (2019)

Die Fast-&-Furious-Reihe hat ihre Ursprünge längst mit quietschenden Reifen hinter sich gelassen. In den übermäßigsten Momenten von Hobbs & Shaw könnte man meinen, dass sie sich mittlerweile selbst für den Blick in den Rückspiegel zu schade ist. Der neunte Franchise-Eintrag ist zugleich das erste Spin-off, und damit losgelöst vom Zwang, die immer kompliziertere Geschichte der Toretto-Familie weiterzuspinnen. Regisseur David Leitch (Deadpool 2) darf stattdessen Wahnsinn beschwören. Dwayne Johnson schmeißt sich aus Hochhäusern, Jason Statham baut gezündete Handgranaten wieder zusammen. Die Reihe bekennt sich endgültig zum Klamauk, damit aber auch zum digitalen Bewegungskino, dem keine weltlichen Grenzen mehr gesetzt sind. Hobbs & Shaw ist ein zuweilen grandioses Schwachsinnsmanifest, in den Händen eines stilsicheren Regisseurs.

Leitch unterteilt das Fast-&-Furious-Universum in farbliche Räume, die einander in Split-Screen-Montagen auch direkt gegenübergestellt werden. Los Angeles erstrahlt da in den leuchtenden Farben des hiesigen Nachtlebens, das London nebenan ist aschfahl und verregnet. Fahrzeuge und (über-)menschliche Körper wirbeln in Leitchs Film immer wieder durch diese Räume, als wären sie von jeglichen irdischen Regeln befreit, würden mit jeder überquerten Landesgrenze oder durchschrittenen Tür in ein neues Level ihres eigenen Videospiels eintreten. Mensch und Maschine sind in diesem neunten Abenteuer nun auch wortwörtlich eins geworden. Dieses Potential wird genutzt –  Hobbs & Shaw enthält die visuell aufregendsten Sequenzen der ganzen Reihe. Präzise und druckvolle Bewegungen dominieren die Actionszenen, ehe der Film zum Ende hin in einer Umgebung angelangt, deren Lichter und Größenverhältnisse sich weniger deutlich fassen lassen.

Der dritte Akt schließt nicht ganz erfolgreich an einen bis dahin auf Hochtouren laufenden Actionfilm an, auch wenn er mit der Rückkehr einer Figur in die Arme ihrer entfremdeten Familie das zentrale Motiv der Reihe aufgreift (und das gleich mehrfach). Im Finale hängen das Auto von Hobbs und Shaw und der Hubschrauber des Bösewichts an unterschiedlichen Enden derselben Metallkette. Obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht gut auf ihn zu sprechen waren, heften Hobbs‘ Brüder daraufhin ihre Autos mit immer absurderen Manövern an den Wagen, um den Hubschrauber vor der Flucht zu bewahren. Röhrende Kraftfahrzeuge baumeln in der Luft und bilden eine Einheit. Die Familie ist wieder ganz. Es ist doch der Blick in die Rückspiegel, die Rückbesinnung auf das, was wirklich wichtig ist, die die Fast-&-Furious-Reihe selbst in ihren irrsinnigsten Momenten am Boden hält.

Kinostart: 01.08.2019

Beitragsbild: © Universal Pictures

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