The BFG (2016)

Der bitterböse Humor des britischen Kinderbuchautors Roald Dahl fand bereits unter einigen Star-Regisseuren seinen filmischen Ausdruck. Etwa Danny DeVito oder Tim Burton, beide bekannt für ihren oft morbiden Sinn für Komik, wagten sich an Adaptionen berühmter Werke heran und ihnen gelangen nicht nur bezaubernde Filme, sondern auch Abbildungen von Dahls Werken, denen man ein grundlegendes Verständnis für ihre Welten, Witze und Figuren anmerkte. Als großer Fan liegt mir nichts ferner, als einem Kinomagier wie Steven Spielberg nun zu unterstellen, dass er etwas nicht kann, aber seine Verfilmung The BFG lässt daran zweifeln, dass er und Dahl füreinander geschaffen sind. Nun habe ich die Buchvorlage nicht gelesen und bin mir nicht sicher, inwiefern sie sich überhaupt für eine Realverfilmung (oder Verfilmung an sich anbietet) – und ob sie überhaupt im Geiste anderer morbider Dahl-Werke steht. Aber die Adaption, die unter dem Geleit von Spielberg ihren Weg auf die Leinwand gefunden hat, ist leider nur erschreckend leer und leblos.

Die Regiearbeit ist dabei tatsächlich nicht das Problem, denn natürlich ist Spielberg noch immer viel zu gut, um je wirklich schlecht zu sein. Der entfesselte Rausch an bunten Farben und visuellen Ideen weiß zu gefallen, die per Motion-Capture zum Leben erweckten Riesen lösen entgegen der Erwartungen keinen „uncanny valley“-Effekt aus und es gibt mindestens zwei Sequenzen (eine davon findet in einer Art hölzernen Regenrinne statt), die mit der Sicherheit und dem inszenatorischen Können eines wahren Altmeisters in Szene gesetzt sind. Das Problem ist, dass The BFG dieser beeindruckenden Bildpracht schlicht und ergreifend keine sonderlich erzählenswerte Geschichte zugrunde legt, beziehungsweise überhaupt keine richtige Geschichte. Was in beinahe zwei Stunden Laufzeit geschieht, lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen und die erste Hälfte des Films verstreicht, ohne dass er sich wirklich vorwärts bewegt. Das Geschehen scheint stillzustehen, Spannung und Gefühle bleiben vollkommen auf der Strecke.

Etwas an Fa(h)rt gewinnt The BFG in der zweiten Hälfte, wenn die Geschichte plötzlich einen absurden Haken schlägt und auf den spektakulärsten Pupswitz hinarbeitet, den das Kino seit längerer Zeit gesehen hat. Aber auch dort verströmen die Bilder noch immer eine gewisse Leere, eine biedere und nichtssagende Leblosigkeit, der selbst ein großartiger Geschichtenerzähler wie Steven Spielberg nichts entgegenzusetzen weiß, wenn er schlicht nichts Großartiges zu erzählen hat. Seine Dahl-Adaption fühlt sich wie eine auf Spielfilmlänge aufgeblasene Kurzgeschichte an und dann doch wieder, als hätte man mehrere Teile einer Kinderbuchreihe in einen Film zu zwängen versucht. Es ist ein frustrierendes Seherlebnis, weil nie ein völlig reizloses, aber ultimativ doch eine bittere Enttäuschung und vermutlich der schwächste Film, den Spielberg in den letzten Jahren gemacht hat.

Kinostart 21.07.2016

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