Captain America: Civil War (2016)

US 2016 – 146 Min. – Regie: Anthony Russo, Joe Russo – Besetzung: Chris Evans, Robert Downey Jr., Sebastian Stan, Elizabeth Olson, Chadwick Boseman, Scarlett Johansson, Paul Rudd, Emily VanCamp, Paul Bettany, Tom Holland, Anthony Mackie, Daniel Brühl, Don Cheadle, Jeremy Renner, Martin Freeman – Kinostart: 28.04.2016 – Trailer


2014 gaben die Russo-Brüder mit Captain America: The Winter Soldier ihren überraschend starken Einstand im Marvel Cinematic Universe; inszenierten nicht nur ihre Titelfigur nach derem schwachen Leinwand-Debüt auf einmal als wuchtige Kampfmaschine, sondern auch den Film als paranoiden Politthriller im Superhelden-Gewand. Diese Agenda weiterverfolgend bietet Captain America: Civil War in Kombination mit seiner tragischen Thematik den bisher düstersten Grundton eines MCU-Films. Nachdem wir die Avengers im ersten Zusammentreffen zu einem funktionierendem Team verschmelzen sahen und Age of Ultron sich mit den Bürden des Superheldendaseins ausseinandersetzte, sieht sich die gesamte Crew (bis auf Hulk und Thor) nach einem weiteren Zwischenfall mit den Konsequenzen und Verantwortung ihrer Arbeit konfrontiert. Civil War ist damit bereits der zweite Film in so kurzer Zeit, der sich mit solch einer Thematik ausseinandersetzt. Zack Snyders Leinwand-Unfall Batman v Superman hatte zugegeben sogar die polarisierenderen und interessantere Ansätze, im Gegensatz zu diesem plustert sich der Diskurs um die sogenannten Socovia Accords (quasi Superhero Registration Act) aber keinesfalls mit Plattitüden auf. Dabei besteht Civil War zu einem Großteil aus schlicht abgefilmter Politthriller-Exposition, die sich eingehend dialektisch um beide Lager kümmert und zur prinzipiellen Argumentation zusätzlich persönliche Probleme mischt. Der fortgeführte Subplot um den Winter Soldier wird zum treibenden Motor des Konflikts, während auch Starks Ansichten ein emotionaler Unterbau zugesprochen wird, was beide Parteien überaus nachvollziehbar darstellt, weswegen #Teamwahlen sowieso hinfällig sind. Der Konflikt lebt von seiner Aussichtslosigkeit und damit einhergehenden Tragik. Die dramatischen Erzählelemente erlauben es zudem vor allem Iron-Man-Darsteller Robert Downey Jr. sich schauspielerisch endlich mal wieder unter Beweis zu stellen.

Trotz des riesigen Casts verlieren die Russos aber nie den erzählerischen Fokus auf ihre Titelfigur, dessen Innenleben weiter beleuchtet wird und Civil War trotz der Avengers ein Captain-America-Film bleibt, ohne dass Chris Evans das Ensemble dabei wirklich als alleinstehender Protagonist anführt. Sehr bemüht wird versucht, die restliche Screentime kalkuliert und gerecht zwischen den übrigen Nebencharakteren aufzuteilen, was vor allem beim stillen Highlight des Films (Ant-Man) und vielversprechendem Neuzugang (Spider-Man) erfreulich ist – vor allem beim großen Flughafen-Prefinale aber für ein etwas gehetztes Herumgespringe sorgt. Völlig uninteressant bleiben hingegen Daniel Brühls Zemo, als wütender deutscher Klassensprecher-Villain, überflüssige Personifikation des Konflikt-Grundes sowie MacGuffin und störende Tempo-Bremse, und der weitere Superhelden-Neuzugang Black Panther, dessen Figur trotz unnötig hoher Präsenz sehr eindimensional bleibt.

Die Action der Russos ist weiterhin überaus kraftvoll in sehr dynamischen Choreographien verarbeitet und oft auf habtische Faustkämpfe reduziert, birgt aber auch die gleichen Probleme wie schon in The Winter Soldier. Visuell kommt sich die andauernde TV-Optik vor allem hier mit der shaky cam in die Quere. Die vergleichsweise größeren Schauplätze und der höhere Einsatz von Spezialeffekten lässt das Spektakel zudem oft sehr greenscreen-y wirken. Gerade genanntes Flughafen-Actionsetpiece macht jedoch das meiste richtig und glänzt mit wirklich überraschenden Einfällen. Ein richtiges Finale fehlt dem Film jedoch. Das Frontentreffen auf dem Flughafen nimmt sich in seiner Konsequenz, den Umständen entsprechend, noch zu sehr zurück und das eigentliche Finale hält 50 Meter vor dem Ziel. Und das, obwohl der große finale Moment schon so gut wie kreiert war. Um auf die Vollen zu gehen, fehlte dann leider doch der Mut, für Marvel-Verhältnisse ist das aber wahrscheinlich schon mutig genug.

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