X-Men: Apocalypse (2016)

US 2016 – 144 Min. – Regie: Bryan Singer – Besetzung: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Kodi Smit-McPhee, Tye Sheridan, Sophie Turner, Nicholas Hoult, Evan Peters, Ben Hardy, Alexandra Shipp, Olivia Munn, Lucas Till, Hugh Jackman – Kinostart: 19.05.2016 –


„Mutants.“ Mit dem ersten gesprochenen Wort merkt man, dass Bryan Singer wieder da ist. Die knalligen Farben, cheesigen Outfits und der trashige Superhelden-Habitus sind nach Days of Future Past erneut zurück. Im Gegensatz zu seinen Genre-Kollegen, die sich in ihrem pseudo-realistischen Kontexten gerne mal dafür schämen, Leute in Gummianzügen herumhüpfen zu lassen, zelebriert Singer den Superhelden-Charme in jeder zweiten Comic-Panel-Einstellung. Mit so einer Hingabe setzt er seine Figuren in den animierten Landschaften in Szene, dass sich das offensichtliche Getrickse niemals illusionsraubend anfühlt, sondern genau das Gefühl heraufbeschwört, ein Comic würde sich auf der Leinwand entfalten – was sonst nur Zack Snyder so gut hinbekommt, oder Joss Whedon in einzelnen Einstellungen seiner Avengers-Filme.

An diesen Figuren ist Singer auch immer noch aufrichtig interessiert, was schon immer die große Stärke der von ihm etablierten X-Men-Filmreihe war. Jedoch stellt sich nur wieder ein, was schon seit Jahren ein Problem dieses Franchises ist. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem ersten X-Men dreht sich die Kernhandlung (immer noch) im Kreis. Mystique fühlt sich nirgendwo zugehörig, Magneto verrät seine Freunde und Xavier versucht die Mutanten zusammenzuhalten, während sich die jüngeren von ihnen noch selbst finden müssen. Dementsprechend bekommt Erik Lensherr auch ein weiteres Mal einen Grund, der seine Wut entfesselt und alte Wunden aufreist.

Noch nie fühlte sich die Neuaufwicklung all dessen aber so erzwungen an. Und das alles nur um eine weitere generische Erzählung in die Kinos zu bringen, die nie daran interessiert ist, ein Gesamtwerk voranzubringen. Wie beim neuesten MCU-Auftritt könnte man diesen Part ohne Probleme ausschließen, ohne dass sich am großen Gesamtbild etwas verändern würde. Zudem sind die arcs der Charaktere bekannt und mehrmals durchlebt worden. Selbst Fassbender und McAvoy können mit ihren wieder einmal starken Leistungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass man nicht immer wieder in den gleichen Verlauf investiert sein kann. Spinnt man die Timeline von Apocalypse aus weiter, wird klar, dass die gesamte Prequel-Reihe auch für die nächsten Filme dafür verdammt ist, da sich der Konflikt bis The Last Stand nicht weiterentwickelt.

Trotz titelgebendem Namen reiht sich der antike Villain Apocalypse in die Reihe der belanglosen X-Men-Widersacher ein, wie der Film selbst in die Annalen der unnötigen Superhelden-Filme. Nicht einmal das Spektakel, das Apocalypse von seinen Vorgängern unterscheidet, setzt einen neuen Akzent. Singer hat seit X-Men 2 zwar gelernt, flüssige Actionszenen zu inszenieren, die immer im Zusammenspiel mit den Kräften seiner Helden stehen, aber bis auf Quicksilver, der wieder einmal den Film klaut, ohne dass sein neuer Auftritt wirklich innovativ ist, erreicht keine Actionszene mehr, als nett auszusehen, geschweige denn einen emotionalen Mehrwert zu liefern.

In den Superhelden-Universen ist man wohl entweder gar nicht mehr daran interessiert, irgendetwas zu erzählen, was nicht die Halbwertszeit von einem Film hat, oder man macht es wie bei den X-Männern, dessen Weltenkonflikt und Charakterpositionierung sich seit 16 Jahren im Kreis dreht.

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