Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (2017)

Nicht nur moderne Star-Wars-Filme, sondern gleich das gesamte Blockbusterkino der Gegenwart träumt vom visuellen Einfallsreichtum, dass Luc Besson mit Valerian – Die Stadt der tausend Planeten aufzubieten hat. Die Bilderwelten sind so üppig und prachtvoll, so quietschbunt und aufregend, so zum Bersten gefüllt mit innovativen Ausstattungsdetails, bizarren Kreaturen und ulkiger Technik, dass es eine wahre Freude ist dem Film dabei zuzuschauen, wie er immer mehr Winkel und Ecken seines Universums erforscht und uns so mit jeder Sekunde neue Seiten der von Comic-Autor Pierre Christin und -Zeichner Jean-Claude Mézières geschaffenen Welten offen legt.

In beinahe jeder Einstellung gibt es unzählige Details zu entdecken und Besson türmt gestalterische Ideen übereinander, so dass dieses Filmerlebnis absolut unberechenbar wird. Die 3D-Technik erlaubt derweil einen so tiefen Blick in die Leinwand hinein, dass man sich fürchtet, aus dem Kinosessel heraus und in die Weiten des Weltalls hineinzufallen, krallt man sich nur nicht fest genug an die Armlehne. Technisch ist das durchaus eine beeindruckende Errungenschaft (wenngleich schnelle Bewegungen gerne mal in Unschärfe verwischen), aber durch ihre immersive Qualität auch eine strapaziöse, zumindest für Menschen wie mich, die nicht nur im Kinosaal ungerne Achterbahn fahren.

Die Natur des Films als jahrelanges, nur durch technische Barrieren aufgehaltenes Herzensprojekt ist seine größte Stärke und fatalste Schwäche gleichermaßen. Besson ist mit so liebevoller Motivation am Werk und die von den Comic-Panels auf die Leinwand gebannten Bilder sind so ergiebig, dass man Valerian mindestens die erste seiner zwei Stunden Laufzeit nicht böse sein kann, wie dünn im Gegensatz dazu die erzählte Geschichte ausfällt. Sie ist sogar so dünn, dass Besson sich für eine sehr lange Zwischenepisode (die immerhin mit schrillen Auftritten von Rihanna und Ethan Hawke aufwartet) in allerlei bunten Nebenschauplätzen verrennt, zugunsten denen der Plot still steht.

Trotz des überraschend harmonischen Hauptdarstellerpärchens darf sich Valerian diese Erzählarmut aber nicht leisten, denn irgendwann beginnen die gehaltvollen Bilder und aufregenden Ideen ein Sättigungsgefühl auszulösen und damit verlieren sie mehr und mehr den Boden unter den Füßen, schwirren haltlos umher, weil sie eben doch an nichts geknüpft sind, von keiner allzu spannenden Story-Idee geerdet und gerechtfertigt werden. Ohne einen emotionalen Einsatz in das Geschehen verlieren die Bilder im drögen Finale des Films plötzlich ihren Reiz, erscheinen leer und nichtssagend. Ein besseres Beispiel für die Notwendigkeit eines guten Drehbuchs im Angesicht digitaler Wundertaten hat es lange nicht gegeben.

Man möchte diesem Film nicht böse sein, denn dazu ist er viel zu hübsch, viel zu ideenreich und schlicht mit zu viel Liebe gemacht. Jetzt da die unerschöpflichen Weiten des Valerian-Universums es nach beinahe einem halben Jahrhundert endlich ins Kino geschafft haben, möchte man sie auch erst einmal nicht wieder gehen sehen. Nur etwas Spannenderes erzählen sollten sie beim nächsten Mal vielleicht.

Kinostart: 20.07.2017

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