The Sisters Brothers (2018)

US 2018 – 122 Min. – Regie: Jacques Audiard – Besetzung: Joaquin Phoenix, John C. Reilly, Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed, Rebecca Root, Rutger Hauer – Kinostart: 07.03.2019 – © Wild Bunch Germany – Trailer


„Nothing’s changed. You’re my little brother, I love you.“


1850, Kalifornien ist im Goldrausch. Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) soll im Auftrag des Commodore umgebracht werden. Der Chemiker soll erst von John Morris (Jake Gyllenhaal) ausfindig gemacht und dann von Charlie (Joaquin Phoenix) und Eli Sisters (John C. Reilly) erledigt werden. Vorher sollen die Brüder jedoch dessen Formel für eine Tinktur in Erfahrung bringen, mit der Gold im Flusswasser sichtbar gemacht werden kann. Als Morris sein Ziel gerade überwältigt und gefesselt hat, erzählt ihm dieser von seinem idealistischen Traum: Mit dem Gold will er eine Gesellschaft errichten, dessen Ziel nicht Profit sonder spiritueller Wachstum ist. Hoffnung schöpfend, schließt sich der geplagte Cowboy dem Wissenschaftler an, die Gebrüder im Nacken. Beide Allianzen zieht es ohne Gewissheit in zumindest irgendeine Art von Zukunft.

Es ist vorerst ein klassisches, gequältes Bild, das Jacques Audiards (Der Geschmack von Rost und Knochen) unter den Wildwestgestalten entwirft. Allesamt Heimgesuchte der Vergangenheit, versuchen sie den Ritt in den Tod nur so lange wie möglich hinauszuzögern. Darüber hinaus schmiegt sich Phoenix’ Figur noch am ehesten an das Western-Klischee an. Der harte Gesetzlose trinkt, fickt und schießt sich durch die Saloons, verbirgt unter der Schale jedoch ein verletztes Kind mit Vatertrauma, das davon überzeugt ist, sich nie von seiner Vergangenheit lösen zu können. Sein aufkeimendes Goldfieber ist der letzte Versuch noch einmal an einen anderen Weg glauben zu können. Als großer Bruder ist Eli entgegen dem Klischee sensibler und bedächtiger. Er ist nicht der Stärkere, der seinen kleinen Bruder im Kampf beschützen kann, aber derjenige, der seinem Bruder mütterlich über den Kopf streichelt. Dem eigenen Fortschritt tritt er noch ebenso einfach und vorsichtig optimistisch entgegen wie dem neuesten Hygieneprodukt, der Zahnbürste. Wo die Helden am Ende des klassischen Western alleine fortgehen, ist The Sisters Brothers ein Film über das Heimkehren. Wenn John C. Reilly nach der emotionalen Eskalation, die auch dieser Audiard-Film bereithält, eine im Wind flatternde Zeltplane beobachtet, kann sich der desillusionierte Western wieder besinnen. Die Spiritualität kann über die Gier siegen.

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