The Neon Demon (2016)

DK/FR/US 2016 – 110 Min. – Regie: Nicolas Winding Refn – Besetzung: Elle Fanning, Jena Malone, Keanu Reeves, Abbey Lee, Bella Heathcote, Desmond Harrington, Karl Glusman, Christina Hendricks – Kinostart: 23.06.2016– Trailer


Glitzerndes Make-Up, goldene Farbe und Blut schmiegen sich an die makellose Haut der Models, die in klinischer Kälte abgelichtet werden. Gefühlskalt schmückt der Künstler seine toten Objekte und macht sie zu seinem Kunstwerk, denn nichts anderes sind die gemeißelten Frauen für ihn. „Beauty isn’t everything. It’s the only thing“, möchte Nicolas Winding Refn (Drive) mit seiner Kritik am oberflächlichen Milieu thematisieren, bedient sich dabei aber nur an Klischee-Vorwürfen, die er nicht mal nur in seiner sowieso schon aufdringlichen Symbolik unterbringt. Vielleicht aus Angst, dass Only God Forgives nur aus Unverständnis so viel negative Kritik erntete, stopft er auch noch Subtext-Exposition in die schwermütigen Dialogzeilen. Einen tiefgreifenden oder neuen Ansatz findet er nicht und lässt seine Punkte deswegen über zwei Stunden bis zum drastischen Kollaps mutieren (Stichwort: Nekrophilie), bis er sich in seinem Exzess letztendlich selbst parodiert und seine Symbolik in purer Lächerlichkeit untergeht – eine unfreiwillige Komik ist dem letzten Drittel aber nicht abzusprechen. An der Objektifizierung der Models ist allenfalls die Inszenierung der Fotografen und Make-Up-Artisten als eigentliche Künstler im Hintergrund interessant, die jedoch auch nur plump als prätentiöse Seelen entlarvt werden.

Ein Händchen für Thrill und Horror hat Refn aber immer noch, was sich vor allem in einer Gewalt und Sex gleichsetzenden Vergewaltigungsmetapher (Cronenberg wäre trotzdem nicht stolz) entlädt. Vorwiegend in dieser Szene findet die Spannung gerade in dem Ausdruck, was man nicht sieht. Visuell findet der Däne ansonsten wieder wunderschöne, neonbelichtete, aber leere Bilder, die Cliff Martinez (Drive, Only God Forgives) stets atmosphärisch zu untermalen weiß. Zum ersten Mal widerfährt seinem Optik-Gewichse dafür eine gewisse thematische Rechtfertigung. Elle Fanning (Trumbo) mimt die anfangs noch zerbrechliche aber emanzipiert wirken wollende Jesse bis zu dem Zeitpunkt nuanciert, an dem das Drehbuch ihre arc so abrupt vollendet, wie andere Charaktere im gleichen Moment fallengelassen werden. Keanu Reeves (Knock Knock) fungiert zwar nur als thematischer Repetent darauf, wie Jesse von ihrem Umfeld wahrgenommen wird, macht sich seine wenigen Szenen aber präsent zu eigen; Karl Glusman (Love) ist hingegen lediglich Rezipient ihres Wandels.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.