The Conjuring 2 (2016)

In Filmkritiken ein Klagelied über das Gegenwartskino anzustimmen schickt sich nicht mehr. Die Mär von bösen Fortsetzungen und noch böseren Superhelden-Filmen ist mittlerweile genau so wenig originell wie das Gegenwartskino selbst – und auch nicht hinreichend, wenn es um die Besprechung eines weiteren solchen Filmes geht. Dass das Unverständnis über das bloße Dasein manch eines Sequels, Reboots oder Spin-Offs einen manchmal dennoch zu so einem müden Verriss verführt, habe ich erst vor zwei Monaten selbst bewiesen. In diesem Fall ist es aber auch weniger der Graus über die Fortsetzungsnatur eines Films wie The Conjuring 2, als viel mehr die den Film zurzeit umgebende Bestätigung.

Das Horrorkino Post-Carpenter, Post-Argento und Post-Craven erfuhr vielleicht die schlimmstmögliche Schändung: InsidiousSawSinisterThe PurgeParanormal Activity – all jenen (zum Teil gar nicht mal schlechten) Sprösslingsfilmen wurde ein Franchise angedichtet, ob es die Geschichte verlangte oder nicht. Von atmosphärischem Grusel, thematischem Gewicht und innovativen Ideen freigemacht, haben diese Filme scheinbar nur noch eine Aufgabe: das jugendliche Zielpublikum mit ein paar Gruselfratzen und hämmernden Klaviertasten für ein paar Sekunden vom Flutlichthandy aufschrecken zu lassen.

Ein künstlerischer Mehrwert geht diesem Fast-Food-Horror abhanden und das tut er auch The Conjuring 2. Regisseur James Wan gab an, mit dem Film das Genre revolutionieren zu wollen und zur Belohnung wird er von Publikum wie Kritik vielerorts zum besten zurzeit arbeitenden Horror-Regisseur (v)erklärt. Nicht nur dass diese Aussage absurd ist solange es Menschen wie Ti West gibt, sie ist auch völlig ungerechtfertigt betrachtet man den zugehörigen Film. Die überlange Fortsetzung ist bis in die letzte zu Berge stehende Haarspitze hinein generisch und festigt den bereits mit dem Vorgänger unverdienten guten Ruf des jetzt ins Leben gerufenen Conjuring-Franchise – anstatt ihn einzureißen, bevor es zu spät ist.

Nicht nur einer, sondern zwei Dämonen gibt es jetzt zu bezwingen, in zwei voneinander gänzlich unabhängigen Erzählsträngen, die parallel zueinander laufen und erst gegen Ende krampfig verknüpft werden – dass es die Gruselnonne mit fiesem Lidschatten gar nicht erst gebraucht hätte, wäre einem allerdings auch ohne diesen Twist klar geworden. Die 133 Minuten Laufzeit geben Wan währenddessen genug Möglichkeiten, alle ihm bekannten Haunted-House-Karten auszuspielen: Von quietschenden Rostschaukeln über Möbel mit Eigenleben (Poltergeist lässt grüßen) bis hin zu lauten Geräuschen, die einen quasi dazu zwingen zusammenzuzucken. Ein manchmal effektiver Grusel, aber stets ein faul und ideenlos erzeugter. The Conjuring 2 verdient sich keinen einzigen dieser Momente.

Die menschliche Seite des Spuks mag ambitionierter ausfallen als bei so manch anderem der oben genannten Franchise-Vertreter, aber dafür ist sie umso langweiliger. Die vom Bösen heimgesuchte Familie kann sich nur ab und zu auf das tränennasse Gesicht der jungen Madison Wolfe berufen, die eine starke Leistung abliefert. Schauspielerische Präsenz ist ansonsten spärlich – im Falle von Patrick Wilson nicht vorhanden – und die tief empfundene Liebe des Warren-Pärchens, mit der Wan seinen tosenden Budenzauber emotional erden möchte, sprüht weder Funken, noch macht es die Figuren auch nur einen Deut interessanter.

Im (für den ewig langen build-up erstaunlich hastig abgehandelten) Finale gibt es einen Moment, in dem Vera Farmiga Erinnerungen an die ikonische „They’re eating her“-Szene aus Troll 2 heraufbeschwört, was The Conjuring 2 beinahe schon wieder sehenswert macht. Diese Form der Beschwörung ist aber sicher nicht die, auf die Wan es abgesehen hatte und so zementiert sein Sequel nur weiter den Ruf eines Genres, dem viele Kritiker heutzutage glauben mit Vorurteilen begegnen zu müssen, weil sie es nicht wagen einen Blick zurück zu werfen – ein Blick, der ihnen Aussicht auf großes Horrorkino böte. Gutes Stichwort, denn wer The Conjuring 2 für großes Horrorkino hält, zeigt nur mal wieder deutlich, dass er von ebenjenem leider nichts verstanden hat.

Kinostart: 16.06.2016

 

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