The Beguiled (2017) Titelbild

The Beguiled (2017)

US 2017 – 91 Min. – Regie: Sofia Coppola – Besetzung: Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Duns, Elle Fanning, Oona Laurence, Angourie Rice – Kinostart: 29.06.2017 – © Universal – Trailer


„You’re our most unwelcome visitor, and we do not propose to entertain you.“


Die Farben sind raus, die Popsongs und der obligatorische Fahrzeugfensterblick fehlen, aber legt sich der zartrosa eingefärbte Titel in den ersten Sekunden von The Beguiled über einen verrankten, unwirklichen Waldtunnel, wird trotzdem deutlich, dass es sich um einen Sofia-Coppola-Film handelt. Wenn die kleines Miss Amy (Oona Laurence) beim Pilzesammeln auf den verwundeten Nordstaatensoldat John McBurney (Colin Farrell) trifft, donnern aus der Ferne die Kanonen des Bürgerkrieges wie dumpfe Kriegstrommeln, die fast als sich unheilvoll aufbauender Score dienen, der dem Geschehen einen hypnotischen Sog verleiht und von der ersten Minute an einen Ausbruch einleitet.

Die bereits aufgeladene Stimmung verdichtet sich nur noch mehr, sobald John in die Mädchenschule unter der Leitung der strickten Martha Farnsworth (Nicole Kidman) gebracht wird und sich die verführerischen Blicke und Berührungen wie zwei Defibrillator-Paddles aneinanderreiben. Liegt John anfangs auf der Terrasse des Hauses und greift flehend an Carols (Elle Fanning) Kleid, blitzt aus ihren Augen ein so autoritäres Spiel mit ihrer Weiblichkeit, dass die Zeit kurz stehen bleibt. Kirsten Dunst brilliert hingegen mit einer zarten, zerbrechlichen Performance. Drinnen entfaltet sich ein intrigantes, verführerisch vibrierendes Geflecht, aus dem nur Verlierer ausgehen können und jeder lebendige Aufbruch von nüchterner Hoffnungslosigkeit verschluckt wird. Damit kommt der Film wohl an das bittere Gefühl der Umstände in den frühen 1860er Jahren, aber vor allem an die gefängnisgleiche Situation der Frau zu dieser Zeit heran.

Auch in The Beguiled erzählt Sofia Coppola in träumerischer Melancholie wieder von isolierten Frauen in einem arretierendem (Familien-)Konstrukt, dessen konsequent ausweglos nüchterne Form jedoch die letztendliche Düsterkeit von The Virgin Suicides oder Marie Antoinette noch überschreitet und die Hoffnung auf Freiheit in seiner letzten Einstellung komplett ersticken lässt.

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