Teenage Mutant Ninja Turtles 2 (2016)

Es gibt ja bekanntlich für alles ein erstes Mal – und so anscheinend auch für mein Aufeinandertreffen mit den Teenage Mutant Ninja Turtles, den vier menschenähnlichen Schildkröten, die in der New Yorker Kanalisation leben, Pizza lieben und mithilfe ihrer Kampfkünste das Verbrechen auf den Straßen bekämpfen. Weiter reicht mein gefährliches Halbwissen um die ikonischen 80er-Jahre-Helden auch schon nicht und doch war ich daran interessiert, ihnen das erste Mal zu begegnen – seit es nun über die Seiten eines Comicheftes, die Töne einer Hörspielkassette oder eben durch die Filmfortsetzung zum 2014 erschienen Reboot unter Produzentendirigat von Transformers-Regisseur Michael Bay. Wer sind die Turtles, was macht ihre Dynamik aus, in was für einer Welt leben sie und vor allem was ist es, das den sie umgebenden Kult auch noch so viele Jahre später rechtfertigt? Alles Fragen, auf die mir Out of the Shadows keine Antwort gegeben hat – oder vielleicht doch, aber keine der Antworten genügt oder gefällt mir.

Ich möchte versuchen, die Turtles anhand dieser ersten und einzigen Begegnung nicht gleich komplett zu verteufeln, wo ich doch schlicht nicht weiß, wie viel von dem, was hier seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat, tatsächlich im Geiste des Ausgangsmaterials steht. Aber das was ich gesehen gesehen habe – und nur das kann ich beurteilen – hat mir mit seiner überdrehten Dummdreistigkeit quasi die Augen ausgestanzt. Das zu Anfang erscheinende Nickelodeon-Logo wirft einen langen Schatten über den Film, der sich zu keiner Sekunde wirklich nach Kino anfühlt. Die grellen und quietschend bunten Bilder erzählen eine nicht erzählenswerte Geschichte über allerlei seltsame Cartoon-Figuren, manche davon böse und manche gut, ehe sich im Finale einmal mehr ein blaues Dimensionsloch über New York öffnet und eine tosende Materialschlacht ihren Lauf nimmt. Die Turtles müssen währenddessen lernen, sich zu akzeptieren – gegenseitig wie selbst – und als Team zu arbeiten.

Wie sehr Out of the Shadows daran scheitert, eine Geschichte zu erzählen, Action zu inszenieren, Charaktere zu entwickeln, Spaß zu machen oder schlichtweg irgendeine Form von Emotion beim Zuschauer auszulösen, wäre wahrscheinlich schon fast wieder faszinierend, wenn es nicht so uninteressant wäre. Aufgeboten werden dem jugendlichen Zielpublikum nichts als hohle, digitale Fernsehbilder, die über ihren hohen Spektakelgehalt hinaus weder Humor noch Hirn anregen, sondern Kino nur noch als großen Verdummungsapparat begreifen. Wer sein Kind dort hinein schleppt, um zu sehen wie Megan Fox sich in Zeitlupe in ein sexy Schulmädchenkostüm zwängt, darf sich nicht mehr wundern, wenn es dann plötzlich beginnt, seine Cap falsch herum zu tragen und Freunde aus der vierten Klasse mit „Bro“ anzusprechen. Es sind diese hässlichen, überbelichteten Hochglanzbilder und ihr dummer, sexistischer Inhalt, der den Teenage Mutant Ninja Turtles im Jahre 2016 anscheinend noch so etwas wie Relevanz verleiht – ein verachtenswerteres Fazit zum Gegenwartskino und dessen Rezeption lässt sich kaum ziehen.

Kinostart: 11.08.2016

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