Suicide Squad (2016)

CA/US 2016 – 130 Min. – Regie: David Ayer – Besetzung: Margot Robbie, Will Smith, Joel Kinnaman, Jared Leto, Jai Courtney, Cara Delevingne, Viola Davis, Jay Hernandez, Karen Fukuhara – Kinostart: 18.08.2016 – Trailer


David Ayers Einstand ins DC Extended Universe hebt sich rückblickend nicht sonderlich von seiner bisherigen Filmographie ab. Der sprachliche Umgang muss sich etwas dem PG-13-Rating anpassen und seine beschränkten Macho-Muskelberge bekannten Comic-Figuren weichen. Im Grunde dreht David Ayer (Sabotage) mit Suicide Squad aber einen weiteren seiner Crime-Gangster-Filme. Sehr darauf bedacht, jeden der in entfremdete Comic-Klamotten gezwängten Assis hintergrundtechnisch zu unterfüttern, erstickt der Film dabei förmlich an sich selbst. Eine halbstündige Highlight-Montage klappert in wahnwitzigem Tempo die Fülle an (unwichtigen) Figuren ab. Aus zeitlichen Gründen werden Backstorys einzelner Charaktere sogar auf die minimale Anzahl an Szenen reduziert. Katanas (Karen Fukuhara) Flashback setzt sich aus einer einzigen Kampfszene zusammen, in der sie ihre komplette Motivation in einem Satz ausformuliert. Die in der Inkompetenz des Drehbuchs (ebenfalls von David Ayer) begründete Beliebigkeit, character arcs aufzugreifen, sorgt neben Slipknots (Adam Beach) One-Liner für den größte Lacher. Die Notwendigkeit, vielen Charakteren überhaupt so viel Aufmerksamkeit zu schenken, bleibt in deren endgültiger Relevanz unbegründet. Mal ganz davon abgesehen, dass einige der Figuren sowieso lediglich unnötiges, zusätzliches Gewicht für den Film sind.

Eine gewisse Chemie ist der Bad-Guys-Truppe nicht abzusprechen und äußert sich in wenigen Momenten der ungezwungen Interaktion. Zeit zum Atmen wird dem Suizid-Kommando von Amanda Waller (furchtbar monoton: Viola Davis) in der sprunghaften Hechelei von Plotpoint zu Action-Setpiece jedoch nicht gegeben. Während die Playlist aus Songs, die es nicht in Guardians of the Galaxy geschafft haben, den farbentkräfteten, künstlichen Bildern eine vorgeheuchelte Lockerheit aufzwingt, wackelt sich das Team durch buchstäblich gesichtslose Videospiel-Gegner zum Endboss durch. Die pseudo-rebellische Attitüde des Films könnte zumindest eine auf eine kleinere Skalierung und damit auf ein weniger betäubendes Finale hoffen lassen, als es bei Snyders Titan-Clash der Fall war. Aber auch Suicide Squad suhlt sich in einem effektüberladenen Materialschlacht-Endkampf aus pathetischen Zeitlupen, in dem Antagonistin Cara Delevingne ihrer ultra-cringe-Performance die Krone aufsetzt. Auch visuell möchte sich Suicide Squad im rauen, physischen Realismus betten. Visuell kann man Zack Snyder (Batman v Superman) einiges vorwerfen, aber sein faszinierender Größenwahn generiert in jeder Einstellung Interessanteres als das dröge Grau, in dem Suicide Squad nur alibimäßig Comic-Panels zum Leben erwecken möchte. Im Finale feuert die VFX-Abteilung dann trotzdem eine Blitzgewitter aus unfertigen CGI ab.

Jared Letos Joker bleibt währenddessen nur eingeschobenes Subplot-Element. Knappe 15 Minuten reichen jedoch schon, um nicht mehr von dem zugedröhnten Tony Montana-Verschnitt sehen zu wollen. Wo aus Heath Ledgers Interpretation der Figur ein vielschichtig unberechenbarer Charakter resultierte, spielt Leto seinen Joker mit einer eindimensionalen Oberflächlichkeit. Auch vom Drehbuch wird die Figur des Jokers vom undurchsichtigen Mythos zum generischen Gangsterboss degradiert. David Ayers konstante Erdung des Comic-Stoffes im Crime-Film hat ungefähr den gleichen Effekt wie die Psychologisierung von Bruce Wayne in Christopher Nolans Batman Begins, die den dunklen Ritter als Alter Ego eines Psychopathen diagnostizierte.

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