Snowden (2016)

Dass es sich bei Oliver Stones Snowden nicht um eine dokumentarische Rekonstruktion des NSA-Skandals, sondern um einen pathetischen, nach allen Regeln des Hollywood-Kinos gefertigten Spannungsfilm handelt, schämt sich der nicht zuzugeben – gleich zu Beginn wird der Zuschauer darüber aufgeklärt, dass es sich bei folgendem um eine „Dramatisierung wahrer Ereignisse“ handelt. Ein ehrliches, wenngleich auch unnützes Eingeständnis, denn es allein rechtfertigt nicht das Dasein des Films, noch entkräftet es die im Raum stehende Frage, ob es nach Laura Poitras‘ meisterhafter Dokumentation Citizenfour überhaupt noch einer weiteren filmischen Auflage des Stoffes bedarf.

Es mag natürlich sein, dass ein starbesetzter Polit-Thriller mehr Menschen zur Auseinandersetzung mit den Ereignissen motiviert als ein Dokufilm, aber Stones Aufrollen der Geschehnisse ist erzählerisch nicht halb so packend wie Poitras‘ mit spannender Exposition versetztes Arrangement der echten Videoaufnahmen. Die offensichtliche Spannungsqualität der Geschichte kann man nicht verleugnen, aber gerade die tristen, verschwörerischen Aufnahmen aus Citizenfour waren es, die ihr eine erstickende Intensität abrangen – was Stone nicht gelingt, da er den erzählerischen Bogen sehr viel weiter spannt und zudem versucht, sich dem Edward Snowden über Interview-Ausschnitte hinaus auf einer menschlichen Ebene zu nähern. Trotz der überzeugenden Leistung von Joseph Gordon-Levitt gelingt das nicht, unter anderem da der Fokus verstärkt auf einer fruchtlosen Liebesgeschichte liegt – Chemie mit Leinwandpartnerin Shaileene Woodley sucht man vergebens.

Auch inszenatorisch vermag Oliver Stone dem Zündstoff der Geschichte nie ganz gerecht zu werden: Plakative Big-Brother-Bilder an der Grenze zur Selbstparodie und ein allgemein nicht sehr fesselnder Erzählfluss bringen Snowden gerade in der ersten Hälfte an die aussitzbare Schmerzgrenze – und kaum weiß der Film im letzten Drittel ein paar denkwürdige Momente zu kreieren (Highlight: eine visuell aufregende Montage über den Ablauf der Überwachung durch die NSA), erreicht die Geschichte im Rahmen des Hollywood-Erzählkonzepts ihren Höhepunkt und dümpelt danach noch ein paar Minuten zu lange auf ihren nicht wirklich existenten Schlusspunkt hin. Allen Texttafeln zum Trotz, ein wichtiger Film ist dies nicht – auch kein außergewöhnlich guter oder schlechter. Sondern vielleicht nur ein außergewöhnlich unnötiger.

Kinostart: 22.09.2016

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