Slow West (2015) Titelbild

SLOW WEST (2015) Kritik

GB/NZ 2015 – 84 Min. – Regie: John Maclean – Besetzung: Michael Fassbender, Kodi Smit-McPhee, Ben Mendelsohn, Rory McCann, Caren Pistorius – Kinostart: 30.07.2015 – ©Prokino – Trailer


Das Westerngenre ist uralt, trotzdem aber immer noch saucool, schaut man einmal auf zeitlose Klassiker wie Für eine Handvoll Dollar oder Spiel mir das Lied vom Tod zurück. Und auch innovative Regisseure wie Quentin Tarantino können dem bereits Staub ansetzendem Genre immer noch etwas abgewinnen. Richtig was los beim Westernfilm ist bis auf ein paar (sehr gute) Neo-Western wie ein No Country for Old Men in den letzten Jahren aber nicht. Die Frage ist auch, ob ein Zwei Glorreiche Halunken, Zwölf Uhr Mittags oder Die glorreichen Sieben die heutige Zuschauerschaft zu Zeiten von rasanten Effektspektakeln überhaupt noch ansprechen würde. Aber wofür haben wir das Indie-Kino? So tat sich der talentierte Kurzfilmemacher John Maclean mit Inglourious-Basterds-Darsteller Michael Fassbender und dem zukünftigen X-Men-Nightcrawler Kodi Smit-McPhee zusammen, und steuerte auch das Drehbuch für seine kleine Westerngeschichte dazu.

In dieser reißt der adelige Schotte Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee) von zuhause aus, um im Westen nach seiner großen Liebe Rose Ross zu suchen. Seine etwas sturköpfige Weltansicht kostet ihm jedoch schnell fast den Kopf. Der mysteriöse Reisende Silas Selleck (Michael Fassbender) rettet ihm das Leben und bietet an, ihn für Geld auf seinem Weg zu beschützen.

In einer Welt, in der jeder für sich kämpft und Töten und Stehlen nicht zwangsläufig aus Bösartigkeit geschieht, sondern oft reine Zwangsmaßnahme für das Überleben ist, bahnen sich Jay und Silas langsam ihren Weg in den Westen vor. Ihre Taten, und die anderer Weggefährten, werden dabei jedoch nicht toleriert oder gar glorifiziert. Mit ihnen zusammenhängende Folgen werden unaufgezwungen und nüchtern beleuchtet und tragen damit zu einer sehr authentischen Zeichnung bei, um die Maclean stehts bemüht ist. Hierbei hat Slow West auch etwas zur damaligen Situation zu sagen. Über Adelsstände, Weltansichten und den Umgang mit den Indianern darf hier in Ansätzen Diskurs geführt werden. Dabei befreit er sich von Konvention und lässt den Western somit frisch erscheinen. Sinnbildlich dafür steht die wunderschöne Optik mit kräftigen Farben und schönen Landschaften. Jed Kurzels Score verleiht dem Film vor allem in seinen Rückblenden dabei einen starken Wes Anderson-Touch und der immer wieder eingestreute, fein morbide Humor, der auch aus der Feder der Coen-Brüder stammen könnte, verleiht Slow West zusätzlich eine angenehme Lockerheit.

Das Finale ist nicht unglaublich spektakulär, nicht schnell, nicht wild – rockt aber trotzdem! Michael Fassbender ist klasse und die Chemie zwischen ihm und Smit-McPhee stimmt alle mal. Frei von Schwächen ist Slow West aber trotzdem nicht. Es ist ein Spiel gegen die moderaten Sehgewohnheiten, das den ein oder anderen höchstwahrscheinlich abschrecken oder langweilen wird. Die Erzählung ist nicht schnell und wartet mit keinen Überraschungen oder großen Höhepunkten ab, sondern ist buchstäblich langsam. Maclean ist nicht daran interessiert große Plotpoints abzuarbeiten sondern lässt alles einfach geschehen. Gerade das macht aber den Reiz an Slow West aus.

Slow West ist nicht groß, nicht spektakulär, sondern eine kleine, aber feine Filmperle. Wer sich an einer unkonventionellen, simplen und authentischen Westernstory mit einem tollen Fassbender erfreuen kann, ist hier genau richtig.

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