Shame (2011) Titelbild Neu

SHAME (2011) Kritik

UK 2011 – 101 Min. – Regie: Steve McQueen – Besetzung: Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale, Hannah Ware, Nicole Beharie – Kinostart: 01.03.2012 – ©EuroVideo – Trailer


Man kann meist nur raten, was sich in Brandons Kopf abspielt. Denn obwohl die Geschichte ihn nie verlässt und er immer Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bleibt, lässt Steve McQueen seinen Protagonisten weitgehend unbeleuchtet, entwirft dadurch aber einen höchst interessanten Charakter. Denn dieser zieht seinen Reiz gerade aus seiner Unzugänglichkeit, mit der er außerdem die Intention des Regisseurs erfüllt.

Denn Brandon ist sexsüchtig und koppelt sich schamvoll soweit es geht von der Gesellschaft ab. So begleiten wir ihn, wie er oft allein unterwegs ist, oder in seinem Apartment auf Porno-Seiten surft. Die Glorifizierung des lieblosen Aktes lässt den Zuschauer dabei durch Brandons Augen sehen. Gnadenlos wird draufgehalten und das FSK 16 im Soft-Porno-Stil dabei bestens bedient. Nicht umsonst vergaben die in dieser Hinsicht konservativeren Amerikaner ein NC-17 Rating für Shame.

Doch nicht nur der Sex wird sexy in Szene gesetzt. Die wunderbare Inszenierung brilliert auch sonst durch herausragende und sinnvolle Kameraarbeit. Viele Shots sehen nämlich nicht nur fantastisch aus, sondern sind oft das einzige Kommunikationsmittel, das uns mehr über Brandons derzeitigen Geisteszustand erfahren lässt.

Gerade in den angespannten Momenten spielt Michael Fassbender den zerrissenen Sexsüchtigen stark und bringt auch ab davon eine gute Leistung. Er muss den Film schließlich tragen, und das schafft er auch.

Shame ist ein langsamer Film. Er nimmt sich Zeit seinen undurchsichtigen Charakter, in einer bedrückenden Atmosphäre, ohne offensichtliche Mittel zu zeichnen, versteift sich in wenigen Moment jedoch etwas zu sehr darauf und sorgt damit für anstrengend langsam vergehende Minuten. Dabei mystifiziert er die Person Brandon aber und lässt ihn den Zuschauer gleichzeitig aus der uninvolvierten und der involvierten Perspektive betrachten.

Die komplette Inszenierung lässt einen die Welt sehen, wie sie Brandon wahrnimmt, bringt dazu aber genau die richtige Dosis an Abstand hinein, um diese Figur analysierend – von weiter weg – betrachten zu können.

Nach überragenden, intensiven ersten 15 Minuten und dem größtenteils sehr guten Mittelteil verliert der Film einen aber etwas im dritten Akt. Das Verlangen nach Dramatik war bei McQueen anscheinend zum Ende hin anscheinend zu hoch und so inszeniert er den, so nicht ganz zum Gesamtpaket passenden Schluss nicht feinfühlig genug. Der Soundtrack untermalt penetrant das zu verkrampft eskalierende Ende.

Shame ist ein feinfühliges Erotikdrama um das verhängnisvolle Doppelleben eines an Hypersexualität leidenden Mannes, das ein nahezu perfektes Gleichgewicht zwischen Empathie und analysierende Apathie herstellt.

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