Moonlight (2016) Kritik

Moonlight (2016)

US 2016 – 111 Min. – Regie: Barry Jenkins – Besetzung: Trevante Rhodes, Ashton Sanders, Alex R. Hibbert, Mahershala Ali, Naomie Harris, André Holland – Kinostart: 09.03.2017– Heimkinostart: 25.08.2017 – © DCM – Trailer


„At some point you’ve got to decide who you wanna be.“


In den Unschärfen des Hintergrunds meint man manchmal eine Krümmung in der Welt erkennen zu können, die Kamera zirkuliert mehrere Male im Film um ihre Figuren. Oft setzt sie den Zuschauer sogar direkt zwischen die intensiven Blicke. „Right there. You in the middle of the world.“ In dieser Mitte steht ein kleiner Junge. Wortlos, verletzlich, den Kopf gesenkt, später in einem Kostüm aus Muskeln versteckt. Seine Geschichte erzählt Regisseur Barry Jenkins in drei Akten und mit einer solchen Zärtlichkeit, dass die Bilder jeden Moment drohen, in ihre Einzelteile zu zersplittern. Aus Splittern besteht auch der kleine Junge, der in drei verschiedenen Phasen seines Lebens als Little, Chiron und Black merkbar mit der Last seiner Selbst kämpft. Er trägt immer Namen, die ihm gegeben wurden. Seine Identität ist nie die eigene, sondern immer die Aufgetragene.

Als Little ist er das gebrechliche Produkt seiner Diskriminierung durch die anderen Kinder. Als Jugendlicher kämpft er mit den Umständen, in die er hineingeboren wurde. Einer Welt, in der der Klügere immer noch mehr einstecken muss, bis er irgendwann zerbricht oder selbst zurückschlägt und in der seine drogensüchtige Mutter ihm den Namen Chiron gab. Als erwachsener Mann verschleiern, Grills, Muskeln und Geld den unsicheren kleinen Jungen, der blitzartig zurückkehrt als seine Jugendliebe Kevin anruft. Als Stereotyp des maskulinen Drogendealers trägt er den Namen Black, der ihm von dem Menschen gegeben wurde, mit dem er einst für ein paar Sekunden nicht Little, Chiron oder Black, sondern er selbst sein konnte.

Kleine Momente heißen in Moonlight große Emotionen. Ob Mahershala Ali am Anfang die Tragik seiner Welt in einem Blick ausspielt, sich Hände sinnlich im Sand vergraben oder ein Herdflamme am Ende symbolisch eine alte Liebe wieder aufwärmt. Im ersten Akt des Films inszeniert Barry Jenkins eine Rauferei zwischen Little und Kevin wie ein erstes Mal und fängt damit bereits eine chaotische Zärtlichkeit ein, die vielleicht erst nach dem Film ihren Ausdruck findet. Dann kann der kleine Junge vielleicht auch die Frage beantworten: “Who is you, Chiron?“


Bonusmaterial auf DVD- und Blu-ray:

  • Audiokommentar mit Regisseur Barry Jenkins
  • Behind the Scenes: Orte, Schauspieler und Musik von Moonlight
  • Die Deutschland-Premiere von Moonlight in Berlin
  • Interview mit Regisseur Barry Jenkins

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