Magical Mystery (2017)

von Gastautorin Manon


Trainspotting trifft Midlife Crisis – Party hart im piefigen Nach-Wende-Deutschland; so könnte man den neuen Film von Arne Feldhusen (Der Tatortreiniger, Stromberg – der Film) zusammenfassen. Magical Mystery, ein Spin Off des deutschen Wendeklassikers Herr Lehmann (Leander Haußmann, 2003), basiert, ebenso wie sein Vorgänger, auf einem Roman Sven Regeners und führt die Geschichte der gealterten Ost-Hippies in der Gegenwart fort; das gelingt ebenso unprätentiös wie schnörkelfrei.

Zu Beginn des Films wird der psychisch gebeutelte, mittlerweile aber einigermaßen stabile Karl Schmidt von dem (genauso wie er ordentlich gealterten) Jugendfreund Ferdi aus seiner Hamburger Drogen-WG nach Berlin verfrachtet. Ferdi und ein paar andere Kumpels, die sich – ungeachtet ihres Alters – ihr Lohn und Brot als DJs verdienen, wollen Charlie überreden, sie als (gezwungen) nüchterner Chauffeur auf ihre erste Tour durch Deutschland zu begleiten, da ihr Techno-Label „Bumm Bumm Records“ trotz ihrer Abneigung gegenüber Konsum und Kommerz steil durch die Decke gegangen ist.

Schon das Wiedersehen der Jugendfreunde wird charakterisiert durch die stilecht schnoddrigen, von Detlev Buck als Ferdi angeführten Dialoge, in denen eine Welt der Coolness und des Draufgängertums beschworen wird, die Charlie, dessen Lebensweg ihn durch diverse psychische Tiefs inklusive eines Klinikaufenthalts geführt hat, längst nicht mehr als die seine betrachten kann – die die Truppe um Ferdi, „Schöpfi“ und Raimund aber nach wie vor aufrechterhält.

Die Tour führt auf mehreren Stationen durch das glanzlose Deutschland der 1990er: Halt bei McDonalds, öde Landschaften und immer wieder die Übernachtung in einer der lachsfarbenen Zweigstellen der Hotelkette „Fluxi“. Die Nächte, die vom eskalativen Charakter der Technopartys geprägt sind, mit Farbstrahlern, Drogen und „geilen Moves“, bieten den Kontrast dazu.

Magical Mystery besticht durch seine Nebeneinanderstellung von abgehalftert und aufgedreht: auf der einen Seite die DJ-Gruppe, deren Mitglieder ihre besten (und schönsten) Zeiten längst hinter sich haben, sich aber dennoch unter niedlich-albern anmutenden Künstlernamen jede Nacht die Kante geben – und auf der anderen Seite Charlie, der ehemalige „Klapsen“-Insasse als Platzhalter für die Stimme der Vernunft, der von seinen unbeirrbaren Kumpels ebenso genervt wie mitgerissen ist.

Eine richtige Pointe hat Magical Mystery nicht; aber das ist auch kaum machbar bei einer Geschichte, die so viele absurde, witzige und mitunter auch anrührende Momente bunt gemischt aneinanderreiht, ohne dem Zuschauer dabei eine Moral oder eine Meinung aufzudrängen. Es geht schlicht um ein paar nicht tot zu kriegende Ex-Wessis, die ihren Spaß haben wollen – und das Publikum hat ihn auch.

Kinostart 31.08.2017

Artikelbild: © DCM

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