High-Rise (2015)

Wie die Seifenblase im letzten Bilde des Films zerplatzt er, der Traum einer funktionierenden gesellschaftlichen Ordnung im High-Rise. Nicht solange es oben und unten gibt, nicht solange die elitären Gockel der oberen Etagen auf dekadenten Kostümbällen eitel miteinander parlieren, während auf den unteren Etagen ein Kleinbürgerleben auf engstem Raum geführt wird. Der aus der konzeptionellen Lebenssituation provozierte Klassenkampf stellt aber nicht etwa die finale Zuspitzung der Geschichte dar: einmal im wüsten Umsturz der Gesellschaftsstrukturen angelangt, suhlt sich der Film mindestens eine Stunde lang in seinem entfesselten Wahnsinn. Inmitten von Trümmern und Unrat erblüht die Anarchie, die eigentlich so kühl-sterilen Wände des High-Rise werden neu gestrichen mit Blut und anderen Körpersäften, auf den unteren Etagen tobt ein bitterer Überlebenskampf, auf den oberen Orgien und Feste.

Nicht etwa aufgrund seiner zynischen Gesellschaftsanalyse galt die Buchvorlage von James G. Ballard viele Jahre lang als unverfilmbar – die tranceartige Erzählung von Protagonist Dr. Robert Laing (stark: Tom Hiddleston) mag man sich im Rahmen eines Mainstream-Filmes gar nicht vorstellen (können). Die Flucht in surreale Traumsequenzen und epileptisch editierte Montagen ermöglicht High-Rise sein fiebriges Dasein als Kinoerlebnis, welches den Zuschauer aber vor allem im letzten Drittel auf eine harte Duldungsprobe stellt. Während der Film auf seinen vermeintlichen Höhepunkt hinarbeitet, wahrt er ein gewisses Faszinosum, nur um sich dann, kaum im Epizentrum der Eskalation angekommen, vollkommen im lustvollen Treiben zu verlieren. In seiner letzten Dreiviertelstunde tritt der Film auf der Stelle, kreiert kaum noch denkwürdige Momente und wird zu einem einzigen schwammigen Konstrukt aus Blutrausch und Fieberwahn.

Ein finsterer und seltsamer Film. Reich an Inhalt, reich an Form, und doch am Ende vergeblich um mein Interesse und meine Aufmerksamkeit bemüht.

Kinostart: 30.06.2016

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