Findet Dorie (2016)

Als Toy Story 3-Regisseur Lee Unkrich letzten August das Bild einer Posterwand twitterte, ist es dem einen oder anderen Pixar-Fan sicher etwas bang ums Herz geworden. Denn abgesehen vom problemgeplagten The Good Dinosaur und dem (noch immer) mythenumrankten Coco, schien sich die kühne Animationsschmiede nur auf Fortsetzungen ihrer (vor allem an Toys“R“Us-Kassen erfolgreichen) Hitfilmen zu konzentrieren. Die größte Empörung: die von Unkrich selbst mit dem brillanten dritten Teil beschlossene Toy Story-Trilogie wird um einen vierten Teil erweitert. Findet Dorie ist die erste der in diesem Tweet angekündigten Fortsetzungen, die ihren Weg auf die Leinwand findet und straft uns sündige Zweifler nun direkt Lügen. Ob es eines weiteren Abenteuers von Cowboy Woody und Buzz Lightyear nach ihrem perfekten Abgang bedarf, kann weiterhin angezweifelt werden, dass die Pixar Animation Studios auch künftig noch Filme mit Zahlen im Titel in die Kinos bringen dürfen aber eigentlich nicht.

Das Sequel zu Findet Nemo geht in etwa in den gleichen Weg wie (der sträflichst unterschätzte) Monsters University. Verglichen mit seinem Vorgänger ist der Film den ungeschriebenen Fortsetzungsregeln folgend schneller, größer, bunter und mehr am turbulenten Spektakel als am nachdenklichen Geschichtenerzählen interessiert. Das macht beide Fortsetzungen vermutlich schwächer als ihre Vorgänger, aber in beiden Fällen auch spaßiger. Sobald er sich in seinen etwas ungelenk in Gang gebrachten Plot einfindet, operiert Findet Dorie beinahe durchgehend auf einem erzählerischen Non-Stop-Level. Die Geschichte schlägt im Minuten-, manchmal Sekundentakt absurde Haken und manövriert die inner- und außerhalb eines meeresbiologischen Instituts verstreuten Protagonisten von einer (beinahe) ausweglosen Situation in die nächste. Das dabei vorgelegte Tempo ist enorm und wird unter anderem angetrieben von Thomas Newman, der anscheinend glaubte noch immer 007 zu komponieren und dem Geschehen mit seinem Score einen pfiffigen Spionage-Flair verleiht.

Bei so viel Hingabe zur ständigen Bewegung und Auftürmung irrwitziger Ideen, sitzt nicht immer jede Pointe (gerade da sich der Humor von Animationsfilmen mit seinem Hang zur kinderfreundlichen Hysterie für mich mittlerweile erschöpft hat), aber Findet Dorie ist natürlich auch wieder ein Film der großen Gefühle. Selbst der für Pixar-Verhältnisse schwache The Good Dinosaur wusste zu Tränen zu rühren und auch Findet Dorie scheitert nicht daran, selbst wenn der emotionale Klimax der Geschichte nicht ganz die emotionale Wucht entfaltet wie andere Pixar-Filme – vielleicht auch weil die triumphale Wiedervereinigung (welcher Figuren genau soll nicht verraten werden) rasch vom actiongeladenen Finale abgelöst wird. Als größte Schwäche zeichnet sich allerdings der Filmbeginn ab, der die Figuren etwas zu lange ziellos herumirren lässt, ehe er seine Geschichte mühsam in Gang bringt. Fans von Modern Family kommen derweil voll und ganz auf ihre Kosten: Ed O’Neill und Ty Burrell, zwei Stammschauspieler der Comedy-Serie, gefallen unter den Voice-Cast-Neuzugängen am meisten.

Als atemloses Non-Stop-Vergnügen, das Momente der Traurigkeit nicht scheut, hält Pixar-Sequel Findet Dorie in etwa die Qualität von Monsters University. Es bleibt zu hoffen, dass er die angebrachte Würdigung erfährt – nicht nur an den Kassen von Toys“R“Us, sondern vor allem in den leuchtenden Kinderaugen dieser Welt.

Kinostart: 29.09.2016

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