Everybody Wants Some!! (2016)

US 2016 – 116 Min. – Regie: Richard Linklater – Besetzung: Blake Jenner, Ryan Guzman, Juston Street, Tyler Hoechlin, Wyatt Russell, Glen Powell, Temple Baker, J. Quinton Johnson, Will Brittain, Zoey Deutch, Austin Amelio – Kinostart: 02.06.2016 – Trailer


Bereits mit seinen ersten Filmen verweigerte sich Linklater einem traditionellen Erzählkonzept, fand seine eigene Sprache immer wieder aufs Neue und macht damit bis heute fast jeden seiner Filme zu einem Experiment für sich. Linklaters Kultfilm Dazed and Confused verweigerte sich schon damals einer klaren Narrative und begleitete ein paar Jugendliche in den 70ern am letzten Schultag ihres ersten und letzten Jahres auf der High School. Nun verarbeitet Linklater einen weiteren Teil seiner Jugend und begleitet eine Gruppe Baseballspieler in den 80ern an den letzten 3 Tagen, bevor das College losgeht.

Es fühlt sich an, als hätte Linklater dieses Drehbuch schon seit 1993 (Dazed and Confused) in der Schublade liegen. Everybody Wants Some!! bildet nicht nur im thematischen und zeitlichen Kontext einen spirituellen Nachfolger, man erkennt auch noch die Rollenumrisse, die für beispielsweise Matthew McConaughey hätten angedacht sein können.
Wieder ist Linklater weniger daran interessiert, seine Geschichte einem roten Faden unterzuordnen, Konflikte zu konstruieren oder eine konservativen Narrative zu entwerfen, sondern ein authentisches Lebensgefühl zu zelebrieren. Fast schon unbewusst dekonstruiert er damit die klassische Dramaturgie, wenn er Konfliktpotenzial genauso nebensächlich zerplatzen lässt, wie er es aufbaut, seine Figuren nie nach Schablone zeichnet oder seine Handlung sich mit assoziativer Lockerheit selbst antreiben lässt, ohne damit je an der Dekonstruktion selbst interessiert zu sein. Diese ist der große, positive Nebeneffekt, der sich aus Linklaters Lebensportrait heraus entwickelt.

Trotz hochglänzender Steady-Optik wirkt die zeitbeschreibende Ausstattung trotz kleinen Ausbrüchen nie karrikativ. Die Schnauzer, Brusthaare, in die Hose gesteckten Hemden und 80s-Hits-Playlist, die wieder so eine großartige Auswahl wie in Dazed and Confused bietet, schmelzen zu einem farbenfrohen 80er-Ambiente zusammen. Obwohl Linklater bestimmt überaus nostalgisch auf diese Ära zurücksieht, ist Everybody Wants Some!! aber nie nur ein nostalgischer Blick durch die rosarote 80er-Brille, sondern genauso auf die zeitlich unabhängige Lebensphase. Everybody Wants Some!! gucken ist wie zwei Stunden mit seinen Kumpels abhängen. Man labert dummes Zeug, tauscht aber auch Weisheiten aus, vergleicht das Leben mit Pink Floyd, schlendert durch die Straßen und macht Party. Es geht um alles und um nichts. Hinter Everybody Wants Some!! steht kein konstruierter Motor sondern das Leben. „I don’t know that just sounds fucking pretentious, man.“ I know, but it’s true.

Richard Linklater hat noch lange nichts von seinem Esprit, seiner Lebens- und Experimentierfreude, Witz und Charme verloren. Everbody Wants Some!! ist sogar sein bester Film und ein weiterer instant Kultklassiker!!

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