Eddie the Eagle (2016)

Kino kann viel. Kino kann aufreibend, sperrig, informativ, wild und eskalativ, ruhig und besonnen, laut und leise, schön und schrecklich sein. Manchmal kann Kino auch all das zugleich sein. Letztens lud es uns mit Es ist schwer, ein Gott zu sein zu einem beinahe dreistündigen Trip ins Herz der Finsternis, quälend auszusitzen und in filmemacherischer Hinsicht doch die Grenzen des Kinos neu auslotend. Das kann Kino. Und Eddie the Eagle kann es auch. Die Lichter gehen aus und wir sehen einem anderen Menschen dabei zu, wie er mit verbissenem Enthusiasmus seinem Traum nachgeht. Wie er hinfällt, aufsteht, wieder hinfällt, und so weiter und so fort, bis er den Respekt seines Vaters erlangt, zwei zerstrittene Freunde wieder versöhnt und eine wichtige Lektion über Gewinnen und Verlieren lernt. Nichts davon ist überraschend. Aber alles davon ist schön.

Ich habe mich heute gefragt, warum das Kino Filme wie Eddie the Eagle noch braucht. Und warum wir, die Zuschauer, Filme wie Eddie the Eagle noch brauchen. In Zeiten Es ist schwer, ein Gott zu sein oder auch The Revenant, die sich bemühen, das Kino neu zu erfinden (und sei es nur auf einer oberflächlichen, technizistischen Ebene). Die Bilder auf die Leinwand bannen, die wir noch nicht gesehen haben und uns die Geschichten erzählen, die wir noch nicht gehört haben (oder zumindest noch nicht auf diese Weise gehört haben). In Zeiten, in denen ein vierter Mad-Max-Teil der beste Actionfilm seit mehreren tausend Jahren ist – warum brauchen wir noch Filme wie Eddie the Eagle? Die nicht in Schlamm und Matsch gedreht wurden? Die nicht überraschen, weil sie Bekanntes auf bekannte Weise zeigen?

Wir aber brauchen diese Filme genau so wie das Kino sie braucht. Weil das Kino der Verantwortung unterliegt, vielfältig zu sein. Weil es okay ist, im Kino an Bekanntem Spaß zu haben. Selbst wenn es schlecht ist. Vor allem aber wenn es gut ist. Oder anders gesagt: kompetent. Und das ist dieser Film. Er ist charismatisch, bunt und knallig. Vital inszeniert, hemmungslos pathetisch, hemmungslos kitschig und hemmungslos generisch, aber mit einem großen, vor Enthusiasmus wild pochenden Herzen. Der sehr Kingsman-y aussieht (Produzent: Matthew Vaughn) und ebenfalls mit Taron Egerton in der Hauptrolle aufwartet. Der versucht die Eigenschaften seines realen Vorbilds so genau wie möglich zu übernehmen und grimassiert sich mit vorgeschobenem Unterkiefer und reichlich Augenblinzeln durch den Film. Das ist meistens angestrengt und zu Beginn nahezu unerträglich, mit der Zeit aber hinnehmbar und irgendwann sogar ganz süß.

Kino kann viel. Manchmal kann das Kino Eddie the Eagle. Und das ist gut so.

Kinostart: 31.03.2016

Beitragsbild: © Twentieth Century Fox

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