Dumbo (2019)

Wenn erst Dumbo und dann Luftartistin Colette (Eva Green) im prächtigen „Dreamland“-Zirkuszelt emporsteigen, Scheinwerferlicht und staunende Blicke auf sich geheftet, blitzt sie kurzzeitig auf, diese unschuldige, unbeschwerte, unerklärliche Magie früherer Tim-Burton-Filme. In diesen Momenten, in denen sich selbst die Figuren nur noch ihrer Schaulust hingeben können (vielleicht noch nie hat Burton so viele „Spielberg Faces“ inszeniert wie hier), schwebt der Film. Man erinnert wieder Winona Ryder, die lächelnd durch herbstliche Schneeflocken tanzt.

Laut quietschende Drehbuchscharniere aber bringen eine jähe Dissonanz in diese wenigen Momente von Größe und Klarheit. Die Handlung des Disney-Originals wird von Qualitätsliterat Ehren Kruger (Transformers 2-4) zur hundertfach gesehenen Abhandlung über kommerzielle Hybris und familiären Zusammenhalt aufgeblasen, die sich nur mit ihrer kompromisslosen Empathie für Zirkustiere als konsequente, auch durchaus notwendige Weiterentwicklung behauptet. Die Darsteller chargieren hilflos, die großen Gefühle werden (nicht erfolglos) dem niedlich getricksten Elefantenbaby überlassen. Burtons ungebundener Stilwille, sein Drang Geschichten zu erzählen und Bilder zu erschaffen, die einer inneren Notwendigkeit entspringen, ist hier nur noch selten zu spüren.

Leichte Spoiler für das Finale des Films.

Dem gleißenden Sonnenuntergangslicht gleich, das rücksichtslos jedes zweite Bild des Films durchflutet, ist eine besorgniserregende Routine in Burtons Schaffen eingefallen, auch ein ästhetischer Schematismus, der seinen unverkennbaren visuellen Stil nicht länger Substantielles erzählen, sondern nur noch schale Selbstreferenzialität ausstellen lässt, ihn als Gimmick, Erkennungsmerkmal, hübschen Oberflächenreiz begreift. Die Metaebene dazu liefert der Film im Finale gleich selbst mit: Der von Michael Keaton gespielte Mr. Evil Businessman steht in der burtonesken Kontrollzentrale seines in Flammen stehenden Freizeitparks und legt nur noch wahllos Hebel um. Funken sprühen, Lichter gehen an und aus, Attraktionen starten und stoppen, die Zuschauer aber haben längst die Flucht ergriffen. Der von ihm engagierte und in kreative Handschellen gelegte Zirkusdirektor entsagt sich also dem großen Konzern, stellt lieber wieder persönliche Projekte auf die Beine. Burton täte gut daran, sich diese Moral von der Geschicht‘ selbst zu Herzen zu nehmen.

Kinostart: 28.03.2019

Beitragsbild: © Walt Disney Pictures

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