Die Schöne und das Biest (2017)

Eine weitere Live-Action-Adaption eines Zeichentrickklassikers, ein weiteres Remake das seine Existenz gleichermaßen mit Nostalgie und Wiederaufbereitung zu rechtfertigen versucht. Maleficent, Cinderella, The Jungle Book; alle diese Filme sollten und wollten sich alter Zeiten wegen nicht von ihren großen Vorbildern trennen, selbst wenn sie das eine oder andere Wagnis eingegangen sind. Maleficent nahm die Perspektive ihrer Titelgeberin ein, um die Dornröschen-Geschichte neu aufzurollen; The Jungle Book dagegen versuchte Kipling und Disney, und damit bitteren Ernst und vergnügliche Gesangseinlagen, in sich zu vereinen. Beide Ansätze waren nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Für Beauty and the Beast wird jetzt also nur noch gestreckt.

Die früher in strammen 84 Minuten erzählte Geschichte bekommt eine Handvoll erzählerische Abstecher (und Lieder) angedichtet; nicht nur um die Laufzeit zu verlängern, sondern damit sich im Zweifelsfall auf Emanzipation vom Original berufen werden kann. Das stellt der Film in allen anderen Szenen nämlich artig Einstellung für Einstellung nach, um ja keinen Fan zu verärgern, der die VHS-Kassette des Zeichentrickklassikers im Kinderzimmerschrank zu stehen hat. Und dann wird sowohl der Schönen als auch dem Biest noch rasch ein Mutterkomplex angehängt, damit das mit dem Verliebtsein alles ein bisschen nachvollziehbarer wird. Batman und Superman lassen grüßen.

Die Kamera filmt derweil hübsche Menschen in gleißendem Digitallicht oder matschiger Dunkelheit. Vom ikonischen Balltanz abgesehen eröffnen sich hier leider keine magischen Bilderwelten, vermutlich auch weil sich die Figuren, sobald sie die schützenden Kulissen des Zauberschlosses verlassen, immer nur in unangenehm artifiziellen, von Computereffekt und Studiobau mühsam zusammengehaltenen Umgebungen wiederfinden. Und wenn man am Ende eine Träne verdrückt, weil sich ein Kerzenleuchter und eine Standuhr das letzte Lebewohl sagen, nicht aber weil das Biest soeben in den Armen der Schönen gestorben ist, dann muss doch auch bei den Charakteren irgendwas im Argen liegen.

Vielleicht hat das aber auch nur damit zu tun, dass es einem wenig Freude bereitet, emotional in einen Film zu investieren, den man zu so großen Teilen bereits gesehen hat. Auch die mitunter perfekt besetzten Rollen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier eigentlich nur noch um pompös aufgeblasene Langeweile handelt. Charmant, weil so wunderbar süßlich, geht es erst im Epilog vonstatten – dann veranstaltet Bill Condon ganz große Kitschkunst, deren fast schon schmerzhaft alberner Camp („Do you think you could grow a beard?“) dieser bis dahin extrem faden Neuauflage bestimmt gut getan hätte. Es bleibt einem also nicht viel übrig, außer sich für zwei Stunden an den zankenden Stimmen von Ewan McGregor und Ian McKellen zu erfreuen. Immerhin etwas.

Kinostart: 09.03.2017

Beitragsbild: © Walt Disney Pictures

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