Die glorreichen Sieben (2016)

Der 1960 erschienene Western-Klassiker The Magnificent Seven tat etwas ganz Entscheidendes in seiner Funktion als Remake: er nahm die im Japan des Jahres 1587 angesiedelte Geschichte aus Akira Kurosawas Meisterwerk Die sieben Samurai und übersetzte sie nicht nur in eine andere Zeit und in ein anderes Setting, sondern gleich in eine andere Kultur. Im Rahmen des seinerzeit erfolgreichen Western-Genres wurden aus sieben Samurai sieben räudige Cowboys, aus Schwerten wurden Colte und die Schwarz-Weiß-Bilder des japanischen Bauerndorfes wichen grellbunten, sandigen Prärien. Die gleiche Geschichte, im neuen Gewand. Irgendwie eine schöne Idee – sich das erzählerische Potential einer grundsoliden Geschichte zunutze machen, um ihr alle paar Jahrzehnte einen neuen, zeitgemäßen Anstrich zu verpassen. Aber nein, natürlich übersetzt das erneute US-Remake im Jahre 2016 die Geschichte seiner sieben (Anti-)Helden, die selbstlos ein Dorf gegen räuberische Schurken verteidigen, nicht in eine neue Zeit oder ein anderes Genre – sondern ist schlicht eine weitere Western-Version.

Die Frage, ob es einer Neuinterpretation der glorreichen Sieben überhaupt bedarf, bleibt somit offen – aber gerade bei der hohen Anzahl an Remakes hat sich höchstwahrscheinlich niemand nach einem weiteren Western-Auftritt ebendieser gesehnt. Die ruppigen Outlaws zusammenzuwürfeln und in ihrer Mitte eine Gruppendynamik aufkeimen zu lassen, fällt sichtlich schwer. The Magnificent Seven schleppt sich trotz geballter Star-Power in beinahe jedem Frame mühsam voran und langweilt – womöglich auch, weil sich keiner der Sieben über eine Charaktereigenschaft hinaus als tatsächlich interessante Figur anbietet und Chris Pratt noch so finster unter seiner Hutkrempe hervorstieren kann, grimmiger Westernheld ist genau so wenig in seinem Repertoire wie misogyner Ex-Navy-Soldat (Jurassic World). Die peinlichste Darbietung legt aber Vincent D’Onofrio hin – als gottestreues Gruppenmitglied, das noch mit den letzten Atemzügen die Bibel zitiert.

Sobald Regisseur Antoine Fuqua seine glorreichen Sieben aber in Stellung hat, beginnt der Film im unerbittlichen Bleihagel gewisse Qualitäten zu entwickeln. Die Inszenierung der Schusswechsel gerät angenehm erdig und im Finale kracht es so gewaltig schön wie in keinem anderen Blockbuster dieses Jahres. Wenn der letzte Akt von The Magnificent Seven vorübergewütet ist, kann man den Boden vor lauter Patronenhülsen nicht mehr sehen und in der Luft bleibt der Geschmack eines der spaßigsten Set-Pieces des Jahres zurück. Bei so viel verschossenem Pulver möchte man beinahe verzeihen, wie wenig Akzente der Film auf seinem langen Weg dorthin zu setzen weiß. Schade, dass es ausgerechnet in den Schlussmomenten dann noch eine bittere Pille zu schlucken gibt: bis dorthin propagierte der Film noch sympathisch die selbstlose Aufopferung zugunsten anderer, ehe er ausgerechnet in einer Kirche dann doch noch die Selbstjustiz zelebriert. Erfüllende Blutrache der Gottesfürchtigen unter dem Jesuskreuz – kein glorreiches, sondern nur ein giftiges Bild.

Vielleicht ist Antoine Fuqua das aber auch alles egal, solange er Denzel Washington, die große Liebe seines Lebens, als ultimativen Inbegriff der Coolness in Szene setzen darf. Das macht er weiterhin so ausladend gekonnt, dass es teilweise haarscharf an der Selbstparodie vorbeischrammt – und sich einmal auch unangenehm bei Django Unchained bedient. Insgesamt ist The Magnificent Seven aber durchaus ansehnliches Western-Kino, dass den zähen Beginn mit einem furiosen Finale zu entschädigen versucht und dabei beinahe siegreich davonkommt. Und wenn der Film sowieso für eine Sache zu gebrauchen ist, dann dass Ethan Hawke in seiner Rolle als verlotterter PTBS-Westernheld eine so gut Figur macht, dass die Erwartungen an Ti Wests neuen Film In A Valley of Violence gleich noch mal ums Doppelte steigen. Immerhin.

Kinostart: 22.09.2016

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