Deadpool (2016)

CA/US 2016 – 109 Min. – Regie: Tim Miller – Besetzung: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, Gina Carano, T.J. Miller, Stefan Kapicic, Brianna Hildebrand – Kinostart: 11.02.2016 – Trailer


Es war unglaublich, über die letzten Wochen hinweg zu sehen, mit was für einem Erfindergeist die Promo zu Deadpool betrieben wurde – ob als Skull-Shit-L, mit zynischen Werbespots oder dem romantischen Valentinstag-Trailer. Vor allem letzteres beschreibt perfekt, wie sich Deadpool verkaufen möchte. Für all jene, die Marvels Fließbandarbeit seit einiger Zeit kritisieren, will man seine assige Antihelden-Geschichte mit der menschlichen Quintessenz unterlegen – der Liebe.

So switcht das Geschehen immer zwischen der origin story, die die Liebesgeschichte zwischen Wade (Ryan Reynolds) und Vanessa (Morena Baccarin) erzählt (und bereits begreift, wie absurd und folgerichtig zum Schreien komisch es ist, eine Romanze in so ein ultra-ironisches und zynisches Meta-Fuckfest wie Deadpool einzubetten) und der bereits im Trailer verwendeten Highway-Actionszene. 95% der Gags stammen dabei aus dem Meta-Grundkurs: Hauptsache beliebig und am besten noch mit irgendeiner Popkulturreferenz verknüpft. Dabei macht der Film im Grunde nichts anderes als den konservativen Genregrenzen von seiner Sicherheitsabstands-Position aus zuzuwinken; das subversive und total abgedrehte Stück (Anti-)Superheldenkino, das mal ordentlich Wind in die Fabrik bringt, ist das hier noch lange nicht.

Jede Seite eines Deadpool-Comics ist brutaler, durchgeknallter und vor allem kreativer als Tim Millers Film. Das Aufbrechen der vierten Wand findet seinen „Höhepunkt“ mit einem „fourth-wall-break inside a fourth-wall-break“ (hilarious!), wenn mal die CGI-Köpfe fliegen, oder ein Körper an einem Straßenschild zerklatscht, wird schnell weggeschwenkt und vor der X-Men-Villa wird über das geringe Budget gewitzelt. Schon etwas traurig, da man dem Film gerade letzteres ansieht. Nicht nur die Optik schwächelt furchtbar im CG-Sumpf und unterbietet sogar den TV-Look der Marvel-Netflix-Serien, mit der anfänglich genannten Erzählstruktur täuscht man auch nur über den Mangel an Geld für eine ausschweifendere Handlung hinweg. Der Plot setzt sich hauptsächlich aus zwei jämmerlichen Action-Set-Pieces und einer Taxifahrt zusammen, und warum man sich mit dieser generischen Liebesgeschichte brüstet, ist auch wenig verständlich. Die Chemie ist durchaus da, aber darüber, dass alles drumherum verkitscht und generisch ist, kann auch die ironische Betonung gerade dessen nicht hinweghelfen.

Auf der anderen Seite der Erzählung spießt Deadpool derweil den überaus uncharismatischen Ed Skrein (The Transporter Refueled) auf, der performancetechnisch und auch auf dem Papier den wahrscheinlich uninteressantesten Antagonisten der letzten zwanzigtausend Superheldenfilme abgibt und sich danach dann doch wieder mit CG-Deadpool in total überhasteten Actionszenen anlegt (so viel zu „don’t make the supersuit […] animated.“). Zwischendurch wünscht man sich immer wieder, er hätte Recht gehabt, dass Wades Sinn für Humor die Prozedur der Superheldenwerdung nicht überlebt. Natürlich, bei hunderten Schüssen sitzt auch mal ein Gag, das Meiste aber ist pubertär und in höchstem Maße peinlich.

Also bitte, näht dem Typen doch einfach wieder seinen Mund zu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.