Closet Monster (2015) Titelbild

CLOSET MONSTER (2016)

CA 2015 – 90 Min. – Regie: Stephen Dunn – Besetzung: Connor Jessup, Aaron Abrams, Isabella Rossellini, Joanne Kelly, Aliocha Schneider, Sofia Banzhaf, Jack Fulton – Kinostart: 6.10.2016 – Trailer


Alles beginnt mit einer Eisenstange. Als Instrument der fremdeinwirkenden Unterdrückung wandelt sie sich zu stechenden Schrauben, die schwer im Magen liegen, wie die aus gesellschaftlicher Inakzeptanz resultierende Selbstunterdrückung. Es ist die allgegenwärtige Inakzeptanz, die sich schon rein aus dem Geschlechterrollen-Schubladendenken und der Kategorisierung von Sexualität ergibt, die selbst liebende Väter – so bekommen wir die Beziehung zwischen dem jungen Oscar (Jack Fulton) und seinem Vater (Aaron Abrams) im nostalgischen Prolog geschildert – durch ihr eingeschränktes Denken zu Antagonisten werden lässt. Auch wenn der plötzliche Umschwung in dieser Figur, trotz schon vorher angedeuteter homophober Tendenzen konterkarierend wirkt, beschreibt es, wenn auch in plumper Ausführung, mit welch einer paradoxen Art solch faschistoide Ideologen zwischenmenschliche Beziehungen ihrem Gedankengut unterordnen. Gedankengut, dessen Banalität sich prägnant mit einer Szene aus Closet Monster zusammenfassen lässt, in der Oscar (dann älter: Connor Jessup) herausfindet, dass sein Hamster eigentlich männlich und nicht weiblich ist, er aber natürlich akzeptiert, dass es derselbe Hamster bleibt, den er liebt und um den er sich seit Jahren kümmert. Eine Einsicht, die Regisseur und Drehbuchautor Stephen Dunn mit dem einzigen zündenden Gag im Film am Ende sogar noch erweitert.

Doch dieser Weg der Einsicht und der Selbstakzeptanz ist auch mit Leid verbunden, denn es ist auch ein (schmerzhaftes) Zulassen der Emotionen, die Oscar vorher in sich hineinfraß. Die angedeutete Schrauben-Metapher äußert sich in diesem Sinne in, wie eine Reminiszenz an Cronenbergs Shivers wirkenden, body horror-Sequenzen, die den Kern der surrealen Komponente des Films bilden, die Closet Monster immer sporadisch zum Genre-Konglomerat werden lässt. Comic-Relief-Hamster Buffy (Geschlecht unbekannt) bekommt in privaten Momenten mit Oscar die bemüht witzig verstellte Stimme von Isabella Rossellini (Blue Velvet) geliehen, bleibt in seiner Personifizierung aber nicht mehr als der MacGuffin für den inneren Konflikt seines Herrchens. Überdies dürfen wir mitfühlen. Der Indie-Soundtrack von Todor Kobakov und May Postepski ist stets nahe an unserem Protagonisten dran und geht manchmal nuanciert, manchmal die großen Gefühle heraufbeschwören wollend, mit jeder Emotion mit. Dazu unterfüttert Dunn die Schlüsselszenen mit assoziativen Gefühlsbebilderungen und schwingt sich in seinen größten Momenten zu einer audiovisuellen Gefühlsmalerei auf.

Alles endet mit einer Eisenstange. Als Instrument des Befreiungsschlags entpuppt sie sich als symbolisch-plakative Klammer, die zumindest die einleitende Klammer in ein weniger seltsames Licht rückt, um dessen Bemühtheit Stephen Dunn aber auch mit einer effektiven finalen Bilderflut abzulenken weiß.

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