Ben-Hur (2016)

Es zeugt von Ironie, dass sich ausgerechnet der Regisseur von Wanted und Abraham Lincoln: Vampire Hunter von einer in Form und Inhalt so epischen, mit zeitlosen Themen wie Rache und Vergebung aufgeladenen Geschichte, die zusätzlich noch das spektakulärste Wagenrennen der Filmgeschichte aufzubieten hat, zu einer größtenteils sehr bodenständigen, charaktergetriebenen Adaption inspiriert fühlte. Der idiosynkratische Blockbusterpomp eines entfesselten Auteurs möchte (oder durfte) dieser neue Ben-Hur nicht sein, zumindest von einer einzigen Szene abgesehen: eine erbitterte Schiffschlacht auf hoher See, die wir nur durch die engen Ruderluken von unter Deck aus verfolgen, ehe das Schiff in einem Regen aus Holz, Feuer und Blut explodiert, ist genau die überstilisierte, mit Wahnsinn getränkte Actionsequenz, die Timur Bekmambetovs Verpflichtung vorab erhoffen ließ.

Und so handzahm wie sich diese erneue Auflegung abgesehen davon auch geben mag, „A Tale of the Christ“ ist und bleibt eine erzählenswerte Geschichte, daran kann selbst unsere gegenwärtige Remake-Kultur nichts ändern. Die beinahe vier Stunden lange Erzählung des 1959-Klassikers erfährt eine an die Sehgewohnheiten des modernen Publikums angepasste Entschlackung und wird so deutlich zielstrebiger, wenn auch des öfteren etwas zu hastig. Zählen kann der Film auf den sehr um Präsenz bemühten Toby Kebbell und in der ersten Hälfte auch noch auf Hauptdarsteller Jack Huston, ehe der beginnt nur noch grimmig dreinzuschauen und seine Halbsätze hyperseriös hinauszuraunen.

Dieses durchaus kompetent inszenierte Remake ist bis auf kleine Ausnahmen näher an der Ästhetik eines klassischen Historienfilms als an der eines Videospiels – und damit letztendlich genau so erträglich wie egal.

Kinostart: 01.09.2016

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