A Monster Calls (2016) Interview

A Monster Calls – Interview mit Patrick Ness

Seit dem 4. Mai brummt sich Liam Neeson als holziges Monster in Sieben Minuten nach Mitternacht (Originaltitel: A Monster Calls ©Studiocanal) durch die deutschen Kinos. Der Film von Juan Antonio Bayona (The Impossible) erzählt vom jungen Conor (Lewis MacDougall), der sich im Angesicht des nahenden Todes seiner schwerkranken Mutter (Felicity Jones) auf den steinigen, schmerzhaften Weg Richtung Wahrheit macht und dabei von dem riesigen Baum herausgefordert sieht.

An der Seite des spanischen Regisseurs stand mit Patrick Ness jener Autor der gleichnamigen Buchvorlage von 2011, der auch das Drehbuch zum Film verfasste. Wir hatten die Möglichkeit, mit dem britisch-amerikanischen Schriftsteller zu sprechen, der sich stets auf der Suche nach der „wahren Wahrheit“ befindet.

Das Interview führte Alexander Börste.


Lethal Critics: Der Film sowie das Buch heißen [im Original] A Monster Calls. Ich jedoch hatte nie den Eindruck, dass es sich um ein klassisches Filmmonster handelt, wie Wolfman etc. Was ist ein Monster für dich persönlich?

Patrick Ness: Weißt du, ich gebe Interviews auf der ganzen Welt. Und es sind die Deutschen, die immer mit einer metaphysischen Frage beginnen. (lacht) Es ist interessant. „Ist es wichtig, immer die Wahrheit zu erzählen?“ „Ich weiß es nicht, verflucht.“ Ich mag es, nach etwas fernab des üblichen Zeugs gefragt zu werden. Ich freue mich also sehr, sehr über wirklich unterschiedliche Fragen. [Pause] Ich nähere mich dem etwas anders. Ich mag ein Wort, das gleitet und das eine Menge von Dingen bedeuten kann. Also das Buch heißt A Monster Calls, was eine Hommage an An Inspector Calls ist, dem J.B. Priestley-Stück. Wir haben unser offensichtliches Monster hier: Der Gigant, der Baum, er ist unheimlich und unerwartet. Und der Grund dafür ist, dass es auf dem vorrömischen englischen Mythos des Green Man basiert, worin seine Erscheinung begründet ist und es geht ebenso darum: Ruft Conor nach einer Vaterfigur? Ruft er nach ein bisschen von sich selbst? Mit wem redet er wirklich? Ich mag diese Art von Gleiten. Wir wissen nicht ganz, wo er ist. Aber es ist nicht das einzige Monster im Buch, nicht wahr? Ist das Monster irgendwo anders? Ist es der Krebs? Ist es die Zukunft? Ist es…? Und das bedeutet es wirklich. Es ist ein gutes Wort, von dem man meint, man kenne es. Und hoffentlich werden das Buch und die Geschichte es ein wenig zerlegen. Also, definitiv kein klassisches Monster, denn sie sind nicht so interessant, weil wir ihnen nicht oft erlauben, zu wachsen und sich zu verändern. Also: Welches Monster erschlägt er? Ich nehme an, das ist meine Frage an Dich.

Lethal Critics: Wenn wir über das Monster in A Monster Calls sprechen: Was hast du gedacht, als du erfahren hast, dass wir hier in Deutschland einen anderen Titel haben?

Patrick Ness: Ich habe bisher noch kein Buchtitel geschrieben, der einfach zu übersetzen wäre. Mein nächstes Buch heißt Release und ich dachte, das wäre einfach. Es ist ein Wort und offensichtlich doch nicht so einfach. Die Dänen sind bereits in eine andere Richtung gegangen. Calls speziell ist nicht so üblich im Englischen und ich wusste, es würde…wie auch immer, ich kann es nur in Englisch titulieren und es ist der richtige Titel auf Englisch und ich bin neugierig auf das, was sich andere Länder ausdenken und die Deutschen waren die ersten mit Sieben Minuten und viele, viele andere Länder haben das übernommen. Es ist der Titel im Schwedischen, nicht im Norwegischen,[…], im Italienischen, Französischen, also an vielen, vielen Orten. Und im Japanischen ist es A Monster Whispers, also ich finds okay. Ich sagte mir, im Englischen klingt Seven Minutes After Midnight wie ein Horrorfilm und man sagte mir, im Deutschen klingt Ein Monster ruft wie ein Horrorfilm. Also sagte ich, fein, man muss mit dem zurechtkommen, was das Land will.

Lethal Critics: Das Ende im Film veränderte ein bisschen [jenes vom Buch]. Welches Ende bevorzugst du, der ja beide Enden geschrieben hat?

Patrick Ness: Ich bevorzuge das Ende des Buches für das Buch und das Ende des Films für den Film. Denn sie haben verschiedene Funktionen. Ein Buch kannst du niederlegen. Ein Buch kann man, wenn man es beendet hat, schließen und dann einen ruhigen Moment haben. Aber ein Film ist diese Erfahrung nicht. Die Herausforderung den ganzen Weg entlang war: Wie in der Welt machen wir ihn…fast schon erträglich fürs Publikum? Denn er ist sehr dunkel und sehr, sehr traurig, also wie geht man mit dieser einzigartigen Erfahrung um, die man nicht niederlegen kann und man kann das Kino nicht verlassen. Wie geht man damit um auf eine Weise, dass das Publikum keinen Widerstand leistet? Das ist das wahre Risiko. Dass die Zuschauer sagen: „Scheiß drauf. Ihr schubst mich herum.“ Wir redeten viel darüber, wie der Film enden sollte. Eine ganze Menge. Und Bayona ließ sich etwas mit dem Notizbuch einfallen, dem Kunstbuch. Und ich dachte, das ist wunderschön. Ich kann Samen in der Geschichte des Films pflanzen, damit wir realisieren, wenn es passiert, wohin wir geführt wurden. Für den Film würden die Zuschauer fühlen, dass wir einfach einen Moment purer Ruhe brauchten, als sie [die Mutter von Conor, gespielt von Felicity Jones] gestorben war. Wenn man den Film dort beendet hätte, hätte es sich wie ein wahrer Schlag angefühlt. Also dachten wir: „Lasst uns ihnen eine Atempause geben.“ Denn der ganze Punkt daran ist, dass Conor an einem Ort angekommen ist, wo er weiß, dass diese schreckliche Sache passiert ist und es wird niemals nicht schrecklich sein. Aber er kann noch immer weiterleben. Das ist die Antwort auf das Warum. Ich denke, es ist das richtige Ende für den Film. Ich denke nicht, es ist das richtige Ende für das Buch, aber das richtige Ende für den Film. Ein Film macht etwas anderes und das ist es, warum Adaptionen manchmal unbefriedigend sind, denn sie geben vor, nicht anders zu sein, aber in Wahrheit sind sie es.

Lethal Critics: Wie sehr warst du in den Dreharbeiten mit Juan Antonio Bayona involviert?

Patrick Ness: Ich hatte sehr, sehr viel Glück, denn sie waren sehr kollaborativ, was nicht immer passiert. Das passiert wirklich nicht immer. Aber sie waren gemeinschaftlich in der Vorbereitung, in der wir viel über das Drehbuch geredet haben. Er hatte Ideen, die er dem anfügen wollte. Wir haben das Skript genau für die Dreharbeiten vorbereitet. Ich war zwölf oder dreizehn Mal am Set. Filmsets sind eine Kombination aus wirklich, wirklich interessanten Dingen und dann wird es für Stunden langweilig und dann wird’s wieder wirklich interessant. Also habe ich mir eine Einstellung angesehen und ging dann für einen 9-Meilen-Lauf außerhalb von Barcelona und dann kam ich zurück und sie saßen immer noch an derselben Einstellung. Aber ich war immer da und sie haben mich immer Dinge gefragt: „Was denkst du darüber? Was hältst du davon?“ Ich habe Dialog am Set geliefert, denn Schauspieler bringen immer Dinge und Ideen an. Während des Schneidens schaute ich dann viele der Schnitte und gab meine Ideen. Ich hatte sehr, sehr viel Glück, dass sie so gemeinschaftlich waren. Denn man kann den Autor nicht komplett außen vor lassen. Ich bin froh, dass sie es nicht getan haben.

Lethal Critics: Was hat dich am meisten herausgefordert, den Roman als Drehbuch zu adaptieren und was hast du von dieser Erfahrung für die Arbeit an deinen Romanen gelernt?

Patrick Ness: Nun, die Frage hängt zusammen, denn ich habe es getan, weil ich lernen wollte. Ich glaube wirklich daran, dass Gefälligkeit kreativer Tod ist. Wenn man meint, man macht gute Arbeit. Wenn man immer mit demselben weitermacht, ist das für mich einfach Tod. Ich will verängstigt werden auf eine fruchtbare, nützliche Weise, damit ich aufmerksam bin, sodass es ein Risiko des Scheiterns gibt, was nicht immer so spaßig ist, weißt du, aber wenigstens bin ich wirklich beschäftigt und wirklich fokussiert. Ich habe gefühlt, dass ich wusste, warum das Buch funktioniert. Ich habe gespürt, dass ich wusste, wie es womöglich verändert werden könnte in einem typischen Hollywood-Entwicklungsprozess, wodurch es weniger gut funktioniert hätte. Also dachte ich, obwohl ich kein Filmemacher bin, dass ich das Gespräch beginne. So habe ich das Drehbuch betrachtet. Die erste Fassung dessen. Ich würde die Konversation in Gang setzen und sagen: „Dies sind die Dinge, die mir wichtig sind.“ Es ist eine Herausforderung, aber eine Art kreative Herausforderung, die ich wirklich mag. Denn man kann auf gewisse Art trotzig sein – die Einschränkungen eines Drehbuchs sind so speziell. Und notwendig. Sie existieren aus einem Grund. Weißt du, die Geschichte ist kürzer. Sie ist höchstens eine lange Kurzgeschichte. Sie muss auf eine besondere Weise entworfen werden. All diese Dinge können verpflichtend sein, aber ich sehe es so, wie ich rebellierte, als ich aufgewachsen bin – ich bin in einer ziemlich religiösen Familie aufgewachsen. Meine Rebellion war also immer: Wie kann ich die Regeln im Einzelnen befolgen und dabei noch all das tun, was ich tun will? Also es ist eine Art von Trotz und eine gute kreative Herausforderung. Wie kann ich diese Einschränkungen überwinden? Es ist ein kompletter Wechsel, eine andere Art des Schreibens. Aber man sollte immer weiterlernen, immer weiterwachsen. Immer, immer, immer. Oder man sollte aufhören und etwas anderes machen. Das ist mein Gefühl.

Lethal Critics: Auf die Inhalte von A Monster Calls, wie Krankheit, bezogen: Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

Patrick Ness: Nicht persönlich, nicht direkt. Die Weise, mit der ich mich dem emotional genähert habe, war, dass ich dachte, es ist ein Buch und eine Geschichte über Verlust, aber dann dachte ich, es ging mehr um die Angst vor Verlust. Darüber, dass er [Conor] Angst hat, sie [seine Mutter] zu verlieren. Und in der Geschichte verliert er sie. Aber das passiert nicht immer, doch jeder kennt die Angst dessen. Das kann wirklich zerstörerisch sein. Denn sie kann Besitz von unserem Leben ergreifen und sie ergreift Besitz von seinem Leben. Sie ergreift Besitz von seinem Denken. Es ist ohne Lösung, es gibt kein Ende. Wie endet es? Das einzige Ende ist, dass sie stirbt in diesem Fall. Wie kann man das wollen und nicht wollen? Das fühlte sich für mich sehr wichtig an von einem emotionalen Standpunkt aus. Also fragte ich immer weiter. Was ich versuche zu fragen, in all meinen Büchern, ist: Was ist die wahre Wahrheit? Was ist nicht die Fernsehwahrheit? Was ist nicht die Filmwahrheit? Was ist die wahre Wahrheit? Und wie chaotisch wäre sie? Wie zornig wäre man seiner Mutter gegenüber dafür, dass sie krank ist? Es gibt eine lustige, schreckliche Geschichte über eine Frau in Amerika, deren Ehemann Alzheimer hatte. Sie kümmerte und kümmerte und kümmerte und kümmerte und kümmerte sich um ihn und eines Osterns kaufte sie sich Schokolade für Ostern. Sie ging nach Hause, um zu entdecken, dass er all ihre Schokolade gegessen hatte. Sie goss Benzin über ihn und steckte ihn in Brand. Denn das war der Moment des Brechens. Das ist eine schreckliche, schreckliche, lustige, furchtbare Geschichte. Aber das ist für mich faszinierend, denn klar wollte sie ihn nicht töten, klar liebte sie ihn, aber einfach dieser Bruch darin. Und ich dachte: Was wäre, wenn man ein kleines Kind ist? Wenn man zwölf Jahre alt ist und man einer ähnlichen Art von Druck ausgesetzt ist: „Wie kann es enden? Ich kann diesen Druck nicht standhalten. Oder ich kann nicht tragen, was dieser mich wünschen lässt.“ Das ist es, warum ich immer und immer und immer weiter fragte: Was ist hier wahr? Was ist hier wahr? Was ist hier wahr? So habe ich es gemacht. Ich glaube, wir alle haben sicher Erfahrungen mit Verlust. Nicht wie in diesem speziellen Beispiel. Ich habe eine direkte Erfahrung mit einer Beziehung, die in die Brüche gegangen ist und wie man sich danach in dem Durcheinander davon fühlt. Es war wirklich der Versuch, die emotionale Wahrheit richtig hinzubekommen. Denn alles andere hätte sich nach Betrug angefühlt. Es hätte sich für Conor falsch angefühlt. Und für Kinder, die das durchgemacht haben. Als ich jünger war und gelesen habe, hatte ich das Gefühl, dass Bücher mich die ganze Zeit angelogen haben. Das hat mich wirklich, wirklich sauer gemacht. Ich will niemals solch ein Buch schreiben. Ich will niemals solch ein Buch schreiben, dass mein zwölfjähriges Ich zornig gemacht hätte, das sich denkt: „Das ist nicht wahr.“

Lethal Critics: Hast du überhaupt Bücher gelesen, die du mochtest?

Patrick Ness: Ich ging, wie viele Leute meines Alters, von Kinderbüchern über zu Stephen King, weil es überhaupt kaum irgendwelche Jugendbücher gab, sicherlich nicht in dem Maße, wie es sie heute gibt. Das war der Grund. Es gab einige wirklich gute Jugendbücher, aber die meisten von ihnen handelten von Lektionen, von: „Oh, es wird traurig sein, aber es wird okay sein.“ Es ist nicht immer okay. Manchmal ist es okay, dass es nicht okay ist. Und das ist es, was ich lesen wollte. Es ging wirklich darum.

Lethal Critics: Im Film gibt es einige Szenen, in denen wir Conor als passiven Charakter sehen. Er ist nicht involviert in dem Prozess des Sterbens seiner Mutter. Er ist damit konfrontiert. Aber niemand spricht etwa mit ihm. Glaubst du, wir sollten Kinder oder Jugendliche mehr in den Prozess mit einbeziehen?

Patrick Ness: Nun, ich zögere „sollte“ zu sagen. Das mag ich nie, denn was weiß ich schon? Das Thema ist nicht das „sollte“. Kinder wissen es. Er weiß genau, was passieren wird. Und das ist es, wo die Gefahr liegt. Wenn sie wissen und wir so tun, als wüssten sie nicht, selbst dann, wenn wir wissen, dass sie wissen. Das ist, denke ich, der wahre Schaden, der angerichtet wird. Denn ein kluges Kind wird 95 Prozent davon durchschauen und es sind diese zusätzlichen fünf Prozent, die sie logisch kreieren, aber dabei furchtbar falsch liegen, wo der wirkliche Schaden entsteht. Er weiß es. Er weiß es von Beginn an. Niemand spricht mit ihm ehrlich darüber, also wird er damit zurückgelassen, diese Frustration und schreckliche Ungeduld zu fühlen, diese schreckliche verbotene Ungeduld. Neben der Angst, seine Mutter zu verlieren. Und niemand spricht mit ihm ehrlich darüber, denn niemand will zugeben, dass er es weiß. Die einzige Sache, zu der ich immer „sollte“ sage, ist, dass Kinder es bereits wissen. Ob man will, dass sie es wissen oder nicht, ist irrelevant. Denn: Wen interessiert es? Die eigene Meinung diesbezüglich ist sinnlos, denn sie wissen es bereits. Also ist die wichtigere Frage: Was wirst du dagegen unternehmen? Was tust du dagegen, dass sie es wissen? Wirklich junge Kinder sind am Tod interessiert – auch wenn es schrecklich klingt – aber sie sind neugierig. Sie wollen, dass man ihnen etwas davon erzählt. Ich glaube, der Schaden kommt vom Verstecken, weil sie es bereits wissen.  Und wenn man es ihnen nicht erzählt, denken sie es sich selbst aus. Und da liegt das Risiko. Das ist jedenfalls meine Meinung, aber was weiß ich schon?

Lethal Critics: Conor erzählt sich selbst eine Art metaphorische Geschichten, um mit seinem Leben umzugehen. Regine aus More Than This [Young Adult-Roman von Patrick Ness, 2013, dt. Titel: Mehr als das, 2014] sagt: „Wir müssen uns selbst erhellen, um fähig zu sein, zu leben.“ Wie wichtig ist diese Idee für dich hinsichtlich dessen, selbst ein Geschichtenerzähler zu werden?

Patrick Ness: Ich habe diese Theorie. Sie ist etwas scherzhaft, aber nur ein bisschen. Ich glaube, Selbstbewusstsein und Unterbewusstsein ist ein evolutionärer Unfall. Es hat uns einen großen Vorteil gegeben, aber ich denke, wir waren nicht wirklich bereit dafür. Denn das Bewusstsein, dass wir alle sterben, ist darin einzigartig. Ich glaube nicht, dass wir bereit sind, mit dieser Information umzugehen. Also haben wir Geschichten erfunden, um damit fertig zu werden. Ich sage immer, wir haben Religion erfunden, um mit der Furcht vor dem Tod umzugehen und die Komödie, um mit der Angst vor dem Leben umzugehen. Eine Geschichte ist solch eine große, wichtige, unverzichtbare Funktion, um die Bedeutungslosigkeit des Universums zu erklären. Aber sie hat Einschränkungen. Man sollte eine Geschichte immer in Frage stellen. Man sollte immer eine andere Geschichte erzählen und eine andere, eine andere, eine andere. Alles, was man jemals bekommt, ist ein Blick von Wahrheit. Also braucht man eine Million Geschichten, um einen geringen Einblick zu bekommen. Wir müssen uns selbst erhellen, um zu leben, denn das Universum ist verrückt und unerklärlich. Wie erklären wir Liebe? Wie erklärt man Zeit? Man muss Geschichten darüber erzählen. Man kann es nicht einfach wissen. Man muss eine Geschichte davon erzählen. Das ist meine Theorie.

Lethal Critics: Als du mit dem Schreiben begonnen hast und in der Geschichte warst und entwickelt hast, wie sie enden würde: Gab es Überraschungen? Warst du von dir selbst überrascht? Von deinen Ideen? Oder kanntest du das Ende bereits, als du mit dem Buch angefangen hast?

Patrick Ness: Ich kenne in der Regel die letzte Textzeile, also kenne ich den letzten Satz, bevor ich anfange, denn das ist sehr, sehr wichtig. Es ist der wichtigste Satz. Er ist, wie der Abgang. Man muss ihn treffen. Ich weiß aber nicht bewusst, wie genau ich dort hinkommen werde. Üblicherweise habe ich einige große Szenen, die sich richtig und wirklich reich anfühlen. Aber ich erlaube mir selbst, zu ihnen hinzuschreiben, damit Überraschungen eintreten und unerwartete Dinge passieren können. Man sollte immer überrascht werden dürfen. Andernfalls ist es eine Gliederung und das ist kein Spaß. Ich meine, ich hatte Charaktere, die einfach auftauchten an dem Tag, als ich mit dem Schreiben begann und sie wurden wichtig. Ich hatte genug, um nicht verloren zu sein, aber nicht so viel, dass ich nicht erschaffen könnte. Und überrascht werden konnte.

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