10 Cloverfield Lane (2016)

Nicht nur Fans von Cloverfield fielen aus allen Wolken, als sie wenige Wochen vor dem Kinostart von 10 Cloverfield Lane (der laut Produzent J. J. Abrams weniger Sequel als sister movie ist) den zugehörigen Trailer zu sehen bekamen und damit erstmalig von der Existenz des Films erfuhren – ähnlich wie die Darsteller, die während des Drehs keine Ahnung hatten, dass sie Teil einer Franchise-Erweiterung und nicht nur eines kleinen Thrillers waren. Für mehr Informationen: Filmkritiker David Ehrlich gibt in seinem Artikel für Rolling Stone einen tieferen Einblick in die Produktion und Vermarktung des Films.

Die Idee, einen kleinen, fiesen Psycho-Thriller in die Erweiterung eines der klügsten und besten Post-9/11-Katastrophenfilme umzuwandeln, beschert diesem kleinen, fiesen Psycho-Thriller nicht nur ein weitaus größeres Publikum (Abrams: „It might give [the] movie the kind of attention that it deserves“), sie ist auch ungemein spannend. Und doch rückblickend wohl das Schlechteste, was einem Film wie 10 Cloverfield Lane hätte passieren können.

Zuerst sei festgehalten: Dan Trachtenbergs Film geht 105 Minuten und die ersten 90 davon sind ziemlich großartig. Im klaustrophobischen Bunker-Setting beschwört er eine vor Anspannung nur so prickelnde Atmosphäre herauf, spielt immer wieder gekonnt mit schwarzhumorigen Spannungsszenarien und breitet ein ungemein spannendes Psychogramm der drei Hauptfiguren aus. Sein Darsteller-Trio spielt ihm dabei in die Karten: John Goodman liefert eine unglaublich faszinierende, fesselnde und zwischen liebenswert und diabolisch pendelnde Vorstellung ab, die hoffentlich die Würdigung erfährt, die sie verdient. Mary Elizabeth Winstead und John Gallagher Jr. stehen stets in Goodmans Schatten, überzeugen aber dennoch auf ganzer Linie.

Es mag zu negativ erscheinen, sich bei 90 ungemein starken Minuten so verbissen auf die misslungenen letzten 15 festzufahren, aber es ist der dritte Akt, der 10 Cloverfield Lane beinahe das Genick bricht. Nicht nur weil die spürbar in Nachdrehs entstandenen Szenen sehr leb-, lieb- und lustlos den Sci-Fi-Genre-Standard bedienen und abgesehen von der allerletzten Einstellung keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern weil dieser nachträglich angeheftete Showdown sich so konsequent weigert, mit allem Vorangegangenen zu harmonieren.

You’re now entering spoiler territory!

In 10 Cloverfield Lane stecken zwei voneinander unabhängige Filme: ein psychologischer Thriller und ein Film über Aliens und Raumschiffe, der so aussieht, als hätte ein vom The-Force-Awakens-Dreh erschöpfter J. J. Abrams für ein paar Tage auf dem Regiestuhl Platz genommen. Würden diese zwei Entwürfe miteinander kooperieren (oder zumindest irgendwie kommunizieren), wäre das verkraftbar. Aber der 90-minütige Thriller in 10 Cloverfield Lane erzählt seine eigene Geschichte, mit seinen eigenen Rätseln und, ja, auch seinen eigenen Monstern – und all das wird augenblicklich fallen gelassen, wenn Protagonistin Michelle den Bunker verlässt und in den Film über eine nicht näher definierte Alieninvasion hineinstolpert.

Als der Abspann begann, konnte ich es nicht glauben. Ich konnte nicht glauben, dass man 90 Minuten lang Charaktere aufbaut und eine hochspannende Konfliktsituation entwickelt, um all das dann für ein paar uninteressante Alien-Bilder zu opfern. Natürlich sollte ich das auch nicht glauben, denn es war eigentlich nicht Teil des Plans. Aber letztendlich fühle ich mich als Zuschauer doch irgendwie über den Tisch gezogen. Dies ist keine Ergänzung des Cloverfield-Universums, weil das Drehbuch „zu Abrams gesprochen hat“ (zumindest kaufe ich ihm das nicht ab), sondern weil der Film mit Cloverfield im Titel mehr Menschen ins Kino ziehen wird als irgendein Psycho-Thriller über drei Menschen in einem Bunker.

You’re now leaving spoiler territory!

In der Kurzfassung bedeutet das also: 10 Cloverfield Lane ist so lange großartig, bis er gezwungen wird, ein Teil des Cloverfield-Universums zu werden – und das ergibt unterm Strich vielleicht einen sehenswerten, aber eben auch verdammt ärgerlichen Film.

Kinostart: 31.03.2016

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